Südkorea – Land der Morgenstille
Aber Südkorea ist auch das Land der Berge und Buddhas, ebenso wie modernster Technik und unzähliger Hochhäuser.
Riesige Tempelanlagen befinden sich in der Mitte von Großstadt-Dschungeln und sind umgeben von Wolkenkratzern, die nur namenhafte Firmen wie Samsung, Hyundai, Trump oder Citybank beherbergen.
Koreaner sind ein sehr anpassungsfähiges Volk. So ist es nicht verwunderlich, dass dieses ferne Land uns bisweilen so vertraut erscheint, wenn beispielsweise früh morgens die arbeitende Bevölkerung mit Ihrem Starbucks Double Choc Latte in der Hand über die überfüllten Straßen hetzt.
Obgleich Koreaner in jeglicher Hinsicht ihre eigene Industrie haben, sind sie doch sehr am westlichen Lebensstil interessiert. Koreanische Designlabels sind genauso angesagt, wie Gucci, Prada oder Versace. Das traditionelle Bibimbab ist genauso beliebt, wie der Burger aus den USA, die Pizza aus Europa oder das australische Restaurant um die Ecke.
In Sachen Tierhaltung hat sich vielerorts bereits der westliche Stil durchgesetzt. Und Hunde landen allenfalls noch auf dem Teller, wenn sie von Herrchens oder Frauchens Essen probieren dürfen.
Vom Kauf des neuen Familienmitglieds:
Wer sich in Korea ein Tier anschaffen möchte, weiß, in welches Viertel er muss. Hier gibt es Straßen, in denen befindet sich ein Tiergeschäft am anderen. Die Größe und Ausstattung der Läden ist in der Regel identisch. Sie unterscheiden sich nur, durch die Welpen, die im Schaufenster angeboten werden.
Die kleinen Hunde- und Katzenbabies werden meist zu zweit in einem Glasterrarium, welches mit Papier ausgelegt ist, gehalten. Oft sind sie noch viel zu klein und wurden der Mutter zu zeitig weggenommen.
Kaufen kann man hier alles. Vom Chihuawa bis zum Bernhardiner. Die Auswahl ist schier unerschöpflich.
Hat man sich für ein Tier entschieden, kann man selbstverständlich ausprobieren, ob der neue Vierbeiner zu einem passt.
Im Laden gibt es mehrere Runde Tische mit einem kleinen Gitter drumherum. Hier kommt das Wunschtier rein, so dass zukünftiger Besitzer und Hund/bzw. Katze sich erstmals beschnuppern können.
Entspricht das Tier den Vorstellungen, kann es sofort mitgenommen werden. Praktisch verpackt im Pappkarton mit Henkeln.
Selbstverständlich gibt es hier auch größere Hunde zu kaufen. So hab ich in einem Geschäft einen wunderschönen weißen und auch sehr großen Hund gesehen. Er lag in einem Metallkäfig, der kaum größer war, als er selbst.
Hundehaltung in der Stadt und auf dem Land
Tiere haben hier nicht den Stellenwert eines Familienmitglieds, sondern eher den, eines Statussymbols. Ein Koreaner (zumeist Frauen), der etwas auf sich hält, hat einen schicken Hund.
In den Großstädten wie Seoul und Busan ist es völlig normal, seinen kleinen Hund mit Hundetasche von Gucci oder Versace zu transportieren. Das dazu passende, edle Hundemäntelchen von Chanel darf hier natürlich nicht fehlen.
Besonders angesagt sind derzeit Hundefriseure. Hier wird Bello ein windschnittiger Haarschnitt samt auffälliger Farbe in pink oder blau verpasst.
Was Koreaner jedoch nicht wissen, ist, dass Hunde keine Statussymbole, wie Autos oder Kleidung sind. Hundeerziehung ist hier völlig unbekannt.
Auch, dass ein Hund gefordert und beschäftigt werden möchte, ist einem Koreaner völlig unverständlich. Meist wissen die Herrchen und Frauchen noch nicht einmal, was für eine Rasse ihr Vierbeiner ist. Das Interesse für Informationen über das Haustier und eventuelle besondere Anforderungen besteht hier nicht.
Kleine Hundegeschichte:
In Sokcho, einer kleineren Stadt an der Grenze zu Nordkorea, haben wir in einem wunderschönem und sehr gepflegten, kleinem Hostel gewohnt.
Am Morgen nach der Anreise hab ich selbstverständlich erstmal alles erkundet und auch den Waschkeller mit Waschmaschine gefunden. In eben diesem Waschkeller lag, in einer Ecke und an einer Kette ein schneeweißer Traum von Hund.
Selbstverständlich hab ich es mir nicht nehmen lassen, mit der kleinen Großen zu spielen. Die Freude darüber, beschäftigt zu werden und Aufmerksamkeit zu bekommen, war riesig.
Später fand ich heraus, dass Gulumi (übersetzt: kleine weiße Wolke), tagsüber an ihrer Hütte und nachts im Waschkeller angebunden war. Zwei Mal am Tag wurde eine kleine Gassi-Runde mit ihr gegangen. Sonst bekam sie kaum Beschäftigung. Sie machte jedoch einen sehr gepflegten Eindruck und zeigte auch keinerlei Angst oder Scheu.
Ich habe ihr dann einen Ball mitgebracht, der nicht ganz aufgeblasen war, so dass man schön reinbeißen konnte. Ihren ersten Ball. Und obwohl sie noch nie ein Spielzeug hatte, wusste sie sofort, was sie damit machen musste.
Der Hostelbesitzer und seine Mutter waren so erstaunt und konnten es gar nicht glauben. Aufgrund mangelnder Beschäftigung hatte Gulumi bereits den ganzen Fußboden angefressen. Aber anstatt eine Ursache dafür zu suchen, wurde es so hingenommen.
Gulumi ist ein Akita Inu. Yoo, der Manager hatte sie als Husky gekauft. Im Internet hab ich ihm dann Seiten über seinen Hund und die entsprechenden Verhaltensweisen gezeigt.
Einen abend bin ich mit Gulumi Gassi gegangen. Wir sind gerannt, gesprungen, sie durfte überall schnuppern und am Ende ist sie sogar brav bei Fuß gelaufen. Als wir wieder zurückgekommen sind, war sie total k. o. und ist gleich eingeschlafen. Yoo war total überrascht, weil er seinen Hund nur sehr wild und unerzogen kennt.
Ich denke, einige Sachen muss man Koreanern einfach zeigen, damit sie es besser verstehen.
Auf dem Land:
Leider geht es vielen Hunden wie Gulumi. Ob klein oder groß, sie werden meist den ganzen Tag über irgendwo angebunden. Sie haben zwar richtige Lederhalsbänder, ausreichend Futter und Wasser, sowie schöne Hütten, aber ihre Kette reicht meist nur ein bis zwei Meter weit.
Ziele für Südkorea:
Hier muss noch ein sehr großes Umdenken stattfinden. Da Koreaner jedoch ein sehr anpassungsfähiges Volk sind, wird auch hier noch ein Wandel stattfinden.
Nächstes Jahr werden die Leichtathletik-Meisterschaften in Südkorea ausgetragen. Da das Land viel Wert auf sein Image legt, wird es hier vermutlich noch einige Veränderungen geben, damit es bei seinen Gästen einen positiven Eindruck hinterlässt.
Ich für meinen Teil kann abschließend sagen, dass ich im Großen und Ganzen doch sehr positiv überrascht war.
Auch, wenn einige Dinge hier noch nicht optimal sind, so sind die doch besser, als in einigen Süd- oder Osteuropäischen Ländern bei uns.
Ich hatte, da es sich um ein asiatisches Land hatte, mit viel Schlimmeren gerechnet. Aber meine Vorurteile, auf jeder Speisekarte auch Hund zu entdecken, haben sich als unwahr herausgestellt.
Kristin Schickel













