Österreich
Das im Januar 2005 erlassene neue österreichische Tierschutzgesetz gilt als durchaus sehr fortschrittlich und bekam sogar Verfassungsrang. Damit gibt es nunmehr in Österreich auch eine Zuständigkeit des Bundesgesetzgebers, Tiere vor Mißhandlungen zu schützen.
Durch eine Novellierung des Bundesgesetzes über den Schutz der Tiere, BGBI.Nr.35/2008 wurde außerdem am 11.01.2008 durch den §8a die Bestimmung getroffen, dass das Feilbieten und Verkaufen von Tieren auf öffentlichen Plätzen verboten ist.
Äußerst kritikwürdig ist jedoch, dass am 24.11.2008 im Bundesgesetzblatt unter dem §5, Absatz 1, mit dem Zusatz 1a die Tierhaltungs-und Gewerbeordnung dahingehend geändert wurde, dass das Halten und Verkaufen von Hunden und Katzen in Zoogeschäften wieder erlaubt wurde, wenn bestimmte Vorraussetzungen erfüllt werden.
Illegaler Welpenhandel
Österreich grenzt im Norden an Tschechien, im Osten an die Slowakei/Ungarn und im Süden an Italien und Slowenien.
Diese geographische Lage bedingt, dass Österreich als DAS Transitland für den illegalen Welpenhandel gilt :
Mehrmals wöchentlich werden nur wenige Wochen alte Welpen vor allem aus den osteuropäischen Nachbarländern ( Slowakei, Tschechien, Ungarn, Polen ) und aus Belgien durch Österreich transportiert, in Kleintransportern, Kisten, Taschen, ohne frische Luft und ohne frisches Wasser und Futter.
Man schätzt, dass alleine über den Flughafen in Wien ca. 20.000 Welpen ins Ausland verschickt werden. Dazu kommen Tausende von Welpen, die - nachdem sie über das Internet ( = diesbezüglich rechtsfreier Raum ) billig angeboten und verkauft wurden - auf Autobahnrastplätzen oder anderen Treffpunkten ihren Abnehmer finden.
Der Handel mit den Welpen boomt europaweit und bringt den skrupellosen Händlern viel Geld.
Doch das Leid der Muttertiere ist schier unermesslich : Sie werden in dunklen, kleinen Verschlägen gehalten, bekommen meist nur Abfälle zu fressen, liegen auf kalten Steinböden, werden nicht ärztlich versorgt, verlassen NIE ihren Käfig und sehen NIE Tageslicht.
Und sie werden mit Hormonen gespritzt, damit sie zweimal jährlich Nachwuchs produzieren. Wenn sie sich beim Deckakt wehren, werden sie einfach festgebunden. Sind ihre Welpen dann 3-4 Wochen alt, werden sie ihnen weggenommen.
Viele der dann ins Ausland verfrachteten Welpen sind durch die viel zu frühe Trennung von ihrer Mutter krankheitsanfällig, Gesundheitszeugnisse und Impfungen fehlen oder sind einfach gefälscht.
Ca. 40 % der Welpen überleben die "Reise" nicht oder sie sterben nach ein paar Wochen bei ihren neuen Besitzern.
Alles das lässt den Händler kalt, denn der Nachschub rollt ja unaufhörlich weiter....und Käufer, die einen billigen Rassehund suchen, finden sich scheinbar immer wieder.
Da nun das Tierschutzgesetz in Österreich wie erwähnt den Verkauf auf öffentlichen Plätzen verbietet, ist es den kontrollierenden Polizeibeamten möglich, die Welpen zu beschlagnahmen, die dann in die naheliegenden Tierheime kommen und dort ärztlich versorgt werden - auf Kosten der Tierheime.
Wurden die Welpen dann geimpft, tierärztlich versorgt und mit den notwendigen Papieren ausgestattet, müssen diese dann an die Händler zurückgegeben werden, sofern diese für die angefallenen Kosten aufkommen, einschließlich der Strafe für den illegalen Transport.
Diese "Kosten" zahlen diese Händler "aus ihrer Portokasse", da die Strafen viel zu gering sind, um einen Abschreckungscharakter zu haben.
Die Strafen stehen in keinem Verhältnis zu den Gewinnen, die durch diesen Welpenhandel erwirtschaftet werden.
Dazu kommt, dass der Welpenverkauf oft auch über das Internet abgewickelt wird, wo man Hunde jeder Rasse "bestellen" kann - und sehr billig. Dort bekommt man dann einen Rassehund, der normalerweise über 1000.- Euro kosten würde, für nur 150-200 Euro ...
"Vorbestellungen" werden gerne angenommen und "jede Rasse kann besorgt werden". Entsprechende Internetseiten gibt es in großer Zahl und sie werden immer mehr.
Hundekämpfe
§ 5 des österreichischen Tierschutzgesetzes verbietet es, Tierkämpfe zu organisieren oder durchzuführen, dennoch scheinen diese nicht selten vorzukommen.
Um es vorwegzunehmen : "Kampfhunde" an sich gibt es nicht, sondern Hunde, egal welcher Rasse, werden erst durch Fehlerziehung oder ganz gezielte Maßnahmen seitens der Halter zu gefährlichen Kampfmaschinen gemacht.
Dazu werden die oftmals illegal aus den Nachbarländern importierten Hunde "ausgebildet", d.h., ihre Aggressivität wird erhöht und die Reizschwelle gesenkt :
- Sie werden tagtäglich verprügelt und misshandelt, nehmen dies ihrem Herrn gegenüber aber hin, da sie ihm ergeben sind.
- Sie werden in eine dunkle Duschkabine gesperrt, wo man dann 30 Minuten lang kaltes Wasser über sie laufen lässt.
- Man sperrt sie in Waschstrassen und überlässt sie sich selbst, wo die Hunde dann in totale Panik verfallen, die in Aggressivitäüt umschlägt.
- Ihre Beißschärfe lassen die Besitzer an Katzen, kleinen Hunden und Spielgeräten auf Kinderspielplätzen üben.
- Auch kommt es vor, daß sie einem Kampfhund die Zähne abfeilen, damit er sich nicht wehren kann und die anderen an ihm "üben" können.
Und : Sie erziehen ihren Hund zum stillen Kampf, man hört kein Bellen, kein Winseln und so gut wie keine Schmerzschreie.
Zu den Kämpfen werden an den Grenzbereichen Österreichs Gebäude angemietet, wo sich die Szene trifft - alles scheint gut durchorganisiert und ist nur schwer aufzudecken.
Zeugen zu finden, ist äußerst mühsam, da aus Angst geschwiegen wird.
Triebfeder ist wie immer das Geld :
Es wird vermutet, dass Hundekämpfe inzwischen wie in einer Sportliga organisiert sind. Da gibt es Vortentscheidungen, Halbfinale, Viertelfinale und das Finale, das dem Champion bis zu 20.000 Euro Gewinn bringen soll, wenn entsprechende Wettsummen gesetzt wurden.
Lösungsansätze
Betreffend Welpenhandel :
Durch das Verkaufsverbot von Hunden auf öffentlichen Plätzen wurde schon eine sinnvolle Erschwernis für die Hundehändler geschaffen.
Dringend geboten ist es, die Erlaubnis, Hunde und Katzen in Zoogeschäften verkaufen zu dürfen, zurückzunehmen. Denn hierbei besteht die Gefahr, dass über zahlreiche Zwischenhändler ursprünglich illegal eingeführte Welpen letztlich in diesen Zoogeschäften landen.
Da der Welpenhandel ein europäisches Problem ist, kann auch nur eine gesetzliche Regelung Abhilfe schaffen, die europaweit die Zucht und den Handel mit Haustieren regelt und dem bestehenden Tierschutzgesetz nachkommt.
Dringend geboten ist es, die derzeit bestehende EU-Tiertransport-Verordnung zu ändern; Hundehändlern dürfen die beschlagnahmten Tiere nicht mehr zurückgegeben werden und auch keine Entschädigungszahlung erhalten, Strafen müssen so drastisch erhöht werden, dass sie Abschreckungscharakter bekommen.
Desweiteren müsste das Internet in die angestrebten gesetzlichen Vorgaben mit eingebunden werden - was ebenfalls ein europaweites Vorgehen erforderlich macht.
Betreffend Hundekämpfe :
-Einführung härterer Strafen.
-Bildung einer zivilien Eingreiftruppe und stärkere Kontrollen.
-Einschleusen von verdeckten Ermittlern, um an die Hintermänner der Hundekampfszene zu kommen.
-Europaweite Zusammenarbeit der Polizeibehörden - auch das Internet betreffend.
-Schaffung eines europaweites Verbotes von Hundekämpfen.
Bericht :Birgit Lewe;
http://www.pfotenhilfe-ungarn.de/
www.pfotenhilfe-europa.eu
Bild : Kathrin Hansen;
http://www.hinsehen-statt-wegschauen.de/




