Tierheim in Rieti
Die meisten Tierheime in Italien sind in privater Hand und bekommen Geld für die „Pension“ der Strassenhunde – am Beispiel des privaten Tierheims
„Colle Arpea“
in Rieti sind Willkür und Undurchsichtigkeit besonders auffallend – hier seine Entstehungsgeschichte:
Da ich dieses Beispiel besonders gut und persönlich kenne möchte ich hieran aufzeigen, wie Tierheime entstehen – nämlich oft im guten Glauben – und welche Dynamik alles bekommen kann.
Rieti ist kein Einzelfall.
Die Zusammenhänge sind hierbei sehr komplex, fließend und manchmal auch verworren.
Wie alles begann:
Dieser Platz hat seine besondere Geschichte.
Vor vielen Jahren begann eine exzentrische Adelige ein paar Hunde von der Straße aufzunehmen.
Schnell sprach sich das herum und flugs wurden Hunde vor ihre Tür gebunden, Welpen in Schachteln abgestellt.
Da es bald eng wurde, kaufte sie ein altes „Casale“ (das sind die typischen Häuser in dieser Gegend) mit etwas Land herum und so wuchs die Anzahl ihrer Hunde schnell – das Barackentierheim „BAMBI“ nahm Forma an.
Die Struktur wurde behelfsmäßig erweitert mit allem was zur Verfügung stand – alten Fenstern, Türen, Wellblech.
Kastriert wurde auch hier nicht, und da es sich um eine Privatperson handelt, die noch dazu mit einem Anwalt verheiratet ist, wurde auch großzügig über die Vermehrung, die schlechte Haltung der Tiere, die unhygienische Zustände und die viel zu kleinen Zwinger von Behördenseite hinweg gesehen.
Keine tierärztliche Vorsorge, kein Schutz vor Kälte, Hitze oder Krankheiten. Da die Anlage sehr einsam gelegen ist, damit das Gebell die Anwohner nicht stört, gibt es auch keine Wasser- oder Stromversorgung.
Oft waren die behelfsmäßigen Zäune so wackelig, dass stärkere und größere Hunde sie niederdrücken konnten, und in den Nachbarzwingern kleine Hunde tot bissen.
Iva, so heißt die Dame, mittlerweile über 80 jährig, wurde bei jedem Notfall gerufen, Hunde, die von Privaten abgegeben wurden, Tiere, die auf der Straße ausgesetzt wurden – alles wurde in ihr Tierheim aufgenommen.
All das ohne jemals einen Vertrag mit der Gemeinde abgeschlossen zu haben, die ja offiziell nichts von dieser Ansammlung der Hunde wusste, trotzdem aber Hunde indirekt dort unterbringen ließ.
Es sind somit nicht genehmigte private Tierheime, deren Dunkelziffer enorm sein muss, da wenige davon wissen (wollen).
Die Zahl der Hunde wuchs im Jahr 2003 auf ca. 850 an – so genau weiß das niemand.
Wenige im nahegelegenen Ort Rieti wissen von diesem Tierheim und erst 2003 wurde eine Tierschützerin aus Rom darauf aufmerksam und versucht seither den Bekanntheitsgrad zu steigern und schickt Hilferufe in ganz Italien, um die Adoptionen anzukurbeln
Im April 2005 wurde das ursprüngliche „BAMBI“ von der Gesellschaft „Technovet“ übernommen, einer Firma, die von Hundefutter bis zum tierärztlichen Bedarf alles vertreibt.
Auf dem Grundstück darüber wurde ein neues Tierheim „COLLE ARPEA“ erbaut, das von der Gemeinde von Rieti bis heute keinerlei Genehmigung hat.
Trotzdem schicken die verschiedenen Gemeinden und Amtstierärzte, mit denen das Tierheim Verträge abgeschlossen hat, ihre Hunde dort in Pension.
Die Boxen sind so konzipiert, dass die Tiere maximal auf Pritschen liegen können, im Winter frieren sie oft am Boden fest.
Hütten gibt es nicht.
Material von schlechter Qualität, sodass schon nach kurzer Zeit rostige Gittertüren zu sehen waren.
Ein kleines „Dach“ schützt nicht vor Kälte und Hitze.
Das Lager ist an einen sandigen Hügel gebaut, von dem bereits öfter Verschüttungen auf die Zwinger abgegangen sind.
In einem langen Gang sind rechts und links Zwinger aufgereiht.
Da es keinen Sichtschutz zwischen den einzelnen Zwingern gibt, haben die Tiere uneingeschränkte Sicht auf sämtliche Tiere, was den Stresspegel enorm erhöht.
Als im Jänner 2006 der Betrieb aufgenommen wurde, fehlten plötzlich ca. 60 Hunde zum Appell.
Es wurde eine Anzeige vom Besitzer gemacht, die den Verlust/Diebstahl der Tiere meldete.
Einer der damals 3 Arbeiter, die für 450 Hunde verantwortlich waren, gab aber einen Hinweis und so konnten Fotos gemacht werden, die das Ausmaß einer Tragödie aufzeigten.
Ein Massengrab befand sich direkt hinter dem Tierheim.
Gesunde Hunde wurden dort vergraben, denen vorher die Beine gebrochen wurden bevor sie in die Grube geworfen wurden, nachdem das Schneckengift aufgebraucht war, auf das sie langsam und elend zu Grunde gingen.
Warum?
Die neue Struktur konnte nicht so viele Hunde aufnehmen, außerdem bekam er für einige der Hunde kein Geld, da die ehemalige Besitzerin des Barackentierheims „BAMBI“ diese Hunde niemals den Gemeinden gemeldet hatte.
Niemand wusste von ihnen, es würde niemandem außer ein paar engagierten Tierschützern auffallen.
Mitbeteiligt an diesen Tierquälereien waren der Besitzer des Tierheims, die drei Arbeiter und einer der Amtstierärzte.
Aufgrund von Fotos, die ich vorab gemacht hatte, wurde eine Anzeige in Rom erstattet und in einer groß angelegten Operation wurde der gesamte Besitz der Gesellschaft am 28.04.2006 beschlagnahmt und der Besitzer wegen Tierquälerei unter Anklage gestellt.
Das Tierheim „Colle Arpea“ – früher „Bambi“ - ist auch noch heute beschlagnahmt, der Prozess beginnt im Juni 2008.
Mittlerweile ist der Bekanntheitsgrad von Rieti, dank dieser Vorfälle, gestiegen und auch ausländische Tierschutzorganisationen versuchen zu helfen.
Schon am 1.4.2005 kamen zwei Vereine aus Deutschland.
Der WDR „Tiere suchen ein zu Hause“ brachte einen Beitrag und über 200 Protestbriefe wurden dem Bürgermeister, Giuseppe Emili, von Rieti überbracht, der aber meinte, dass es wichtigere Fälle als Hunde gäbe.
Das öffentliche Interesse an ein paar verwahrlosten Hunden sei sehr gering, auch wenn es manchmal in der Bevölkerung ein paar Proteste in diese Richtung geben würde.
Ein anderer deutscher Verein hat sich vor Ort einen Anwalt genommen, um seine Interessen besser vertreten zu können.
Um überhaupt ins Tierheim „Colle Arpea“ gehen zu können, musste dieser Verein über seinen Rechtsanwalt eine Erlaubnis über die Staatsanwaltschaft Rieti erwirken lassen.
Es ist ein Versuch ein Exempel zu statuieren, der einzige Weg, um etwas zu bewegen, es wird versucht einen „Durchbruch“ bei einem Tierheim zu erreichen, um dann andere Tierheime zu zwingen mitzuziehen, wenn ein Beispiel Schule macht.
Der Betreiber des Tierheimes hat die Öffnungszeiten auf Mittwoch zwischen 11h und 12h festgesetzt und macht es so fast unmöglich, dass ein Publikumsverkehr zustande kommt, um Hunde zu adoptieren.
Um Geld zu sparen ist dieses abgelegene Tierheim nur in der Zeit von 8.00 bis 13.00 betreut, in der zwei Arbeiter ca. 300 Hunde versorgen.
Da es sich noch immer im Bau befindet, kann man leicht an verschiedenen Stellen hinein gelangen.
Mehrmals wurden Hunde tot in ihren Boxen vorgefunden, offenbar vergiftet. Welpen, die am Tag zuvor noch gesund herumtollten lagen mit eingeschlagenem Schädel in ihren Boxen oder (Jagd)Hunde verschwanden einfach spurlos.
ASL (Amtstierarzt), Staatsanwaltschaft, Tierheimbetreiber und Bürgermeister machen offenkundig gemeinsame Sache.
Bedrohungen, Handgreiflichkeiten gegen Tierschützer sind an der Tagsordnung.
Jemand, der den Blick der Öffentlichkeit auf das armselige Geschäft mit den Tierheimhunden lenkt, ist hier nicht wirklich gern gesehen.
Hunde werden hier „verwaltet“.
Mitleid oder ein Herz für die Tiere hat niemand.
Immer wieder gibt es Schikanen von Seiten des Betreibers gegen Tierschützer: Im September 2007 wurde ohne jegliche Ankündigung Tierschützern von zwei der drei Organisationen, die sich um die Hunde und Adoptionen kümmern, der Eintritt zum Tierheim verweigert.
Es war unmöglich den Tieren zu helfen, die Adoptionen stagnierten und kranke Tiere konnten nicht behandelt werden.
Das erwartete Eingreifen von Seiten der Behörden blieb aus, wochenlang gab es keine Möglichkeit Nachricht über die Hunden zu bekommen.
Proteste von allen Seiten und unter dem öffentlichen Druck, gab der Betreiber schließlich nach und erlaubte wieder den Zutritt für die Allgemeinheit.
Man kann sich dort nicht vorstellen, dass jemand auf seine Kosten von weither kommt, um verwahrloste, ausgestoßene, kranke, verlassene Tiere zu retten, ohne damit Gewinn zu machen, Hunde die doch eigentlich keiner haben will, um die sich keiner kümmert, die einfach nur „eingelagert“ werden.
Denn Tötungsstationen gibt es nicht mehr in Italien, nur diese Lagerstätten. Wer einmal in diesem „Geschäft“ ist, findet anscheinend keinen Weg mehr heraus.
Dass im Hinterland von Rieti durch die ursprüngliche Verursacherin dieser Misere wieder neue Lager entstehen, wird verschwiegen.
In mehreren Häusern sammelt sie wieder streunende und verlassene Vierbeiner, in guter Absicht, aber völlig überfordert.
Natürlich weiß die Gemeinde davon, und der Amtstierarzt selbst bringt Hunde dort unter – natürlich inoffiziell.
Es gibt einfach zu viele und mit dem neuen Tierheim ist es da nicht getan.
In Zimmern und Verschlägen sind Dutzende Hunde eingesperrt.
Bericht von Claudia Röckl
Stand 23.4.2009
Skandalurteil in Rieti/Italien
Nach 3 Jahren endlich, das Urteil, das sich schon abgezeichnet hat:
Das Gericht sprach alle Angeklagten frei.
Begründung :
Es habe nie eine Tiermisshandlung oder Tötung stattgefunden.
Trotz eindeutiger Beweise, Zeugenaussagen, Bildmaterial, Obduktionsbefunde, … war die Richterin anderer Meinung.
Diese Schlacht wurde verloren, aber wir werden andere Mittel und Wege finden, das Los der Hunde erträglicher zu machen.
Italienische Tierschützer kämpfen seit Jahren gegen die Mißstände im Rieti. Anläßlich einer Massenvergiftungsaktion haben sie jüngst eine Klage gegen den Tierheimbetrieber/Bürgermeister von Rieti eingereicht.
Das entsprechende Urteil grenzt an einen Skandal.
Folgende Mail erreichte uns dazu :
Übersetzung durch Cristina Cannizzaro und Roland Eichler
Mit einem zu erwartenden Urteil hat das Gericht von Rieti, vertreten durch die Richterin Cristina Scipioni auf Antrag des Staatsanwalts Boccacci, am 23.04.2009 die Angeklagten:
L.B ( Inhaber ),
P.A (Leiter der Gesundheitsbehörde ),
F.P. ( vorläufiger Verwalter )
von der Anklage der Misshandlung und Tötung von Tieren aufgrund folgender Begründung freigesprochen:
Das Geschehen hat niemals stattgefunden.
Sie haben es richtig verstanden:
Kein Mangel an Beweisen oder Verfahrensmangel oder sonstiges.
Das Geschehen hat niemals stattgefunden. Punkt.
Trotz der von Arbeitern des Tierheims angegebenen Aussagen bezüglich bestimmter Verfahrensweisen, wie etliche Hunde umgebracht wurden ( Aussagen, die selbstverständlich während des Gerichtsverfahrens widerrufen wurden).
Trotz der von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern hinterlegten ausführlichen Unterlagen ( es durfte aber nur ein einziger aussagen).
Trotz der unwiderlegbaren Begutachtungen von Fachleuten, die vom Staatsanwalt ausgesucht wurden.
Trotz des plötzlichen „Verschwindens“ am Anfang März 2005 von einer Anzahl an Hunden, die zwischen 50 und 100 liegt (kein Mensch wird niemals die genaue Anzahl erfahren), deren Leichen am anliegenden Gelände des Tierheims mit zwei von Tanax gefüllten Spritzen begraben wurden.
Trotz dieser Beweise und vieler mehr, die der Staatsanwaltschaft zu Verfügung gestellt wurden, hat das Gericht von Rieti beschlossen, dass diese Hunde dieser Hund und wer weiß noch wie viele andere unbekannte Hunde
niemals massenhaft durch Tanax-Spritzen bzw. Betäubungsmittel umgebracht wurden,
niemals betäubt ins Massengrab geworfen wurden
niemals erstickt gestorben sind….
Anscheinend sind sie niemals gestorben!!!
Das Gericht von Rieti hat, anhand des „seriösen“ Beitrags des einzigen angesehenen institutionellen Organs und zwar der ASL ( Gesundheitsbehörde) von Rieti, das 20 Jahre lang für das Dasein dieses Tierheims gebürgt hat, (die Helfer seien einfach fanatisch Verrückte und unzuverlässige Visionäre) beschlossen, dass keiner für diese Tötungen verantwortlich ist.
Keiner habe die einzelnen Hunde selektioniert und ausgesucht ( möglicherweise die größten oder die unerzogenen ).
Keiner habe sie an der Leine bis an den Rand des Massengrabes geführt. Keiner habe ihnen die Spritze ins Herz oder in einem anderen Körperteil gestoßen.
Keiner habe sie in den Graben geworfen, einen nach dem anderen, so lange es Platz gab. ( aber ausschließlich ins Graben geworfen, da für sie in dem „neuen“ Tierheim kein Platz vorgesehen war…).
Hat das Gericht vielleicht gedacht, dass alle diese Hunden sich aus irgendeinem Grund plötzlich massenhaft selbst umbringen wollten???
Keiner wird es niemals erfahren dürfen.
Anscheinend ist diese die einzige plausible Begründung.
Keine einzige Sterbeurkunde liegt vor und kein Mensch wird je erfahren, wer diese Hunde waren, da ihre Tätowierung mit den Leichen zusammen unter der Erde verwest sind.
Es ist irgendwie seltsam… Wer würde sich wünschen, zu sterben, wenn man die Möglichkeit hätte, viele weitere Jahre in einem idyllischen Ort, wie es das Tierheim von Rieti bekanntlich ist, zu leben?
Ihre Leichen sind gestapelt und begraben worden, der Todeszeitpunkt war zu Recht der gleiche für alle.
In ihren Leichen wurden seltsame Substanzen gefunden, aber dennoch…..
Das Gericht von Rieti ist der Meinung, dass es diese gestorbene Tieren niemals gegeben hat, das bedeutet, keiner hat sie umgebracht!!!
Das ist die Justiz von Rieti, die das x-te Mal triumphiert hat!!!
Es gibt weitere laufende Gerichtsverfahren, die das Tierheim betreffen, es ist nicht unbedingt schwer, das Endergebnis vorherzusehen.
Mit der Hoffnung, dass die Seelen dieser gestorbenen Hunde ein Leben lang auf dem Gewissen jedes Verantwortlichen bleiben werden…
Die (visionären???) Helfer des Tierheims von Rieti
Video
Hier können Sie sich einen italienischen Videofilm über das „Tierheim“ von Rieti ansehen :
E qui Lei puo`guardare un video del canile di Rieti:
Da dieses Video in italienischer Sprache verfasst wurde, hier eine kurze zusammenfassende und freie Übersetzung der eingeblendeten Texte :
„Es existiert ein italienisches regionales Gesetzes, das den Hunden auch in Latium ein artgerechtes Leben zugesteht. Dieses Video zeigt, dass die tatsächlichen Umstände weit davon entfernt sind. In diesem Tierheim sterben fast alle Hunde, die hier aufgenommen werden. Lange Zeit haben die Betreiber ungestört ihr Geschäft mit dem verdienten Geld weiter führen können. Die Beschlagnahmung dieses Tierheims durch die Polizei hat auch nur kurzfristig das Leiden der Hunde unterbrochen. Situationen wie diese sind keine Ausnahmen – eher die Regel... Die Hunde werden zum Verhungern gezwungen, da das Geld der Gemeinde direkt in den Taschen der Betreiber landet und nicht für das Futter ausgegeben wird… Gleichzeitig findet keinerlei medizinische Versorgung statt, kranke Hunde werden nicht behandelt, Verletzungen nicht versorgt… Die italienische Gesundheitsbehörde (ASL) von Rieti greift nicht ein, sondern bewilligt das Betreiben dieses Tierheims, trotz der Tatsache, dass hier massive Verletzungen des geltenden Tierschutzgesetzes stattfinden. Man muss sich fragen, warum ist es so? Was kann man dagegen unternehmen? Nun, es ist wichtig, wenigstens darüber aufzuklären und die Wahrheit ans Licht zu bringen…“
Freie Übersetzung des italienischen Textes durch Cristina Cannizzaro
http://video.google.it/videoplay?docid=1814260139228445805&hl=it















