Polen
Das Land
• EU-Beitritt: 2004
• Staatsform: Republik
• Hauptstadt: Warschau
• Fläche: 312 679 km²
• Bevölkerung: 38,1 Millionen
• Währung: Zloty (PLN)
Tierschutz
Hundepopulation:
Keine aktuellen Angaben verfügbar
Tierschutzgesetz: seit 1997
Tierheimhunde: mehr als 69.000
Straßenhunde: keine / lediglich „Streuner“ / entlaufene Hunde
Tierschutz-Organisationen:
Polnischen Tierschutzbundes e.V. - einer der ältesten gemeinnützigen Organisationen in Europa (gegründet 1864) http://www.toz.pl
Polnische Stiftung für Tierschutz: http://www.boz.org.pl/raporty.htm
Viele kleine – oftmals nur regional tätige - Organisationen
Offizielle Angaben zu der aktuellen Gesamtpopulation der Hunde in Polen sind derzeit nicht verfügbar.
Im Jahr 2007 haben sich polnische Gemeinden und Tierheime um mehr als 83.000 Hunde (+11% im Verhältnis zu 2006) gekümmert.
Dafür wurden Mittel in Höhe von mehr als 55 Mio. PLN (ca. 12,3 Mio. EUR) verbraucht. Das waren mehr als 22% mehr als im Vorjahr.
Je Hund wurden damit ca. 660 PLN verbraucht.
Zum Vergleich: Die Sterilisation einer Hündin von mehr als 30 kg kostet in einer kommerziellen Tierklinik zwischen 250 und 400 PLN. Die Forderung nach staatlichen
Kastrationsprogrammen könnte damit unter Berücksichtigung der hieraus resultierenden Begrenzung der zukünftigen Population finanziert werden.
Voraussichtlich würde sich insgesamt ein Rückgang der jährlichen Kosten ergeben! Im Jahr 2006 wurden 69.224 Hunde in polnischen Tierheimen aufgenommen. Davon wurden 49.519 an die bisherigen oder an neue Halter wieder raus gegeben, 16.705 sind auf unterschiedlich Art und Weise in den Tierheimen verstorben.
Den „klassischen“ Straßenhund gibt es in Polen nur vereinzelt. Streunende Hunde in Polen sind ganz überwiegend Hunde, welche ausgesetzt wurden oder sich verlaufen haben.
Das polnische Tierschutzrecht sieht schon heute vor, dass alle Gemeinden Maßnahmen durchführen, welche geeignet sind, der Obdachlosigkeit von Tieren vorzubeugen.
Tatsächlich haben nur 25 % der Gemeinden solche Maßnahmen ergriffen.
Tierheime in Polen
Daraus erklärt sich auch die sehr unterschiedliche Ausstattung polnischer Tierheime.
So verfügt die lokale Niederlassung des Polnischen Tierschutzbundes e.V. - eine der ältesten gemeinnützigen Organisationen in Europa (gegründet 1864) - in Szczecin (Stettin) über eine Tierklinik, in der zwei Tierärztinnen und eine Tierpflegerin fest eingestellt sind.
Dort werden vor allem bei durch das Tierheim vermittelten Hündinnen auch kostenlose Sterilisationen durchgeführt.
In anderen Tierheimen ist insbesondere die Kettenhaltung weit verbreitet, da die finanziellen Mittel für die Errichtung von artgerechten Unterbringungen fehlen.
Oft werden Hunde unter erbärmlichen Umständen an schweren nur 1,50 kurzen Ketten gehalten.
Dort pflügen die Hunde oft über Jahre hinweg die grausamen Halbkreise in den Untergrund.
Die Ketten begrenzen die Bewegungen der Hunde so weit, dass sich Muskeln oder auch die gesamte Körperhaltung der Hunde mit der Zeit deformieren
Spaziergänge sind nicht denkbar, da hierfür kein Personal zur Verfügung steht. Die Hunde, welche dicht an dicht in den Tierheimen „leben“ müssen, finden oft nur Schutz in alten, löchrigen Hütten. Regen, Schnee und Kälte – aber auch die sengende Sommersonne – setzen den Hunden Tag für Tag zu.
Allzu oft resultieren daraus Krankheiten, die wegen fehlender finanzieller Mittel häufig zu einem qualvollen Tod führen.
Fehlendes Geld und viel zu wenig Personal, welches oft keine entsprechende Ausbildung hat, führen dazu, dass die Hunde oft an der Kette gezeichnet von jahrelangem Leid „einsam“ verenden.
Zu wenig tröstende Hände sind vorhanden, um je das unendliche Leid der vielen Kettenhunde mildern zu können.
Notwendige Krankenstationen sind nicht vorhanden.
So vegetieren Tausende an ihren Ketten und werden von Parasiten gequält und durch Krankheiten geschwächt.
Darüber hinaus kommt es in den Tierheimen zu einer ungewollten und unkontrollierten Vermehrung der Hunde.
Die hieraus resultierenden Welpen werden hinein ins Elend geboren und sterben allzu oft nach Jahren an der Kette.
Viel zu kleine Zwinger werden mit viel zu vielen Hunden besetzt.
Gier nach ein wenig Futter – oftmals altes Brot, Graupen und Schlachtabfälle - oder einfach die Enge der oft feuchten, verdreckten Zwinger führen zu erbarmungslosen Kämpfen der Hunde untereinander, welche allzu oft tödlich enden.
Das wenige vorhandene Pflegepersonal kann diese Situationen auch nicht mit Unterstützung der aufopferungsvoll helfenden ehrenamtlichen Tierschützer beherrschen – zu viele Hunde bellen gleichzeitig und fordern ein Wenig Aufmerksamkeit, Zuwendung oder Liebe.
Die Ketten und die kleinen oft verdreckten Zwinger verhindern dies. Die Halbkreise werden stetig tiefer bis die Herzen der Hunde nicht mehr schlagen.
Welpenfabriken
Die „Fabrikation“ von Welpen für den Hundehandel stellt in Polen ein ernstes Problem für den Tierschutz dar.
Skrupellose Hundevermehrer produzieren Massen von kranken, mit Parasiten verseuchten Welpen in dafür völlig ungeeigneten Schuppen oder dunklen, feuchten Kellern.
Die Welpen sind oftmals bereits so krank, dass diese nicht einmal eine Woche in ihrer neuen Heimat überleben können.
Die Welpen werden in Pappkartons angeboten und bei Abnahme mehrerer Welpen mit Rabatt abgegeben.
Überzählige - nicht rechtzeitig verkaufte - Welpen werden achtlos weggeworfen, landen allzu oft in den ohnehin überfüllten Tierheimen oder werden vor Ort auf grausame Weise erschlagen.
Nicht die Liebe zu den Hunden ist Antrieb für die „Vermehrer“, sondern einzig Geldgier treibt diese Kreaturen an.
In Polen gibt es keine offiziellen Tötungsstationen, wie sie etwa aus Spanien bekannt sind.
Das polnische Tierschutzgesetz verbietet die Tötung von Hunden ohne Grund. Eine Euthanasierung ist nur erlaubt bei ungewollten Welpen, aggressiven oder unheilbar kranken Hunden.
Gleichwohl werden diese Grundsätze nicht flächendeckend überwacht und finanzielle Engpässe führen dazu, dass die Regelungen vereinzelt sehr gedehnt werden.
Was muss sich ändern?
Wir wollen besonders für Polen in Europa erreichen, dass:
1. durch staatliche Kastrationsprogramme die Population in den Tierheimen kontrolliert begrenzt wird,
2. das geltende Tiersschutzrecht konsequent umgesetzt wird und die Gemeinden ihren hieraus abgeleiteten Verpflichtungen nachkommen,
3. die Zustände in den polnischen Tierheimen verbessert werden,
4. die Kettenhaltung in Polen flächendeckend abgeschafft wird,
5. strafrechtliche Konsequenzen bei Misshandlungen und Sodomie konsequent angewandt werden.
Die Tierheime müssen mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausgestattet werden, um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können.
Die Botschaft vom Tierschutz, die bereits heute in Polen in breiten Schichten der Bevölkerung verstanden wird, muss in die Köpfe und Herzen der Politiker, Gemeindevertreter und Bürgermeister vordringen, damit das heutige Elend unzähliger Hunde in Polen beendet werden kann!
Bilder und Bericht
Simone & Dirk Kayser
www.murphyswelt.de
www.pfotenhilfe-europa.eu








