Indien
Indien als Vorreiter beim Tierschutz!
Kann Europa in Sachen Tierschutz etwas von Indien lernen?
Die Antwort ist: definitiv ja!
Denn bei dem Umgang mit herrenlosen Hunden oder sogenannten Streunern hat Indien (bzw. einige Großstädte des Landes) neue Wege eingeschlagen.
Dies ist der Tierschutzorganisation „Blaues Kreuz Indien“ zu verdanken, denn diese haben bei dem Thema Straßenhunde nicht locker gelassen.
Bis 1996 verfolgte Indien dieselbe Strategie wie viele europäische Länder, um den immer größer werdenden Massen von Straßenhunden Herr zu werden.
Diese Strategie nennt sich in Indien „catch and kill“, also „einfangen und töten“.
Wobei dieses Töten nicht sehr human geschieht, entweder wird einfach auf die Hunde eingeschlagen bis sie tot sind, sie bekommen ein Gift welches unsägliche Schmerzen verursacht oder aber sie werden mit Elektroschocks regelrecht hingerichtet – und dies obwohl sie nichts getan haben, einfach nur weil sie existieren und dadurch die Menschen stören.
(In den 70er Jahren war die Zahl der getöteten Hunde so hoch, dass die ansässige Lederfabrik in Madras, Produkte in ihr Sortiment aufgenommen hat, die aus Hundeleder gefertigt wurden, z.B. Brieftaschen.)
Es ist allerdings allseits bekannt und das Blaue Kreuz Indiens konnte dies auch mit Zählungen belegen, dass diese Methode die Zahl der Streuner nicht reduziert, sondern im Gegenteil, sich die Zahl über die Jahre immer weiter erhöht hat.
Gründe hierfür sind unter anderem, dass durch die Tötung neue bzw. mehr Ressourcen für die Überlebenden entstehen und meist mehr Hunde durch unkontrollierte Vermehrung entstehen als getötet werden können.
Anders gesagt: wenn Hunde entfernt werden, steigt die Lebenserwartung derer, die zurück bleiben, weil sie besseren Zugang zu den nötigen Ressourcen erhalten und weniger Konkurrenz untereinander herrscht.
Nicht nur aus Tierschutzgründen hat das Blaue Kreuz eingegriffen, sondern auch, weil von den Hunden Krankheiten übertragen wurden. Durch kleinere Bisse wurden Menschen mit dem Tollwutvirus angesteckt, worauf in der Folge jährlich ungefähr 20.000 Menschen starben. Durch das ABC/AR (Animal Birth Control – Anti Rabies (Tollwut)) Programm des Blauen Kreuzes konnte die Sterblichkeit aufgrund von Tollwut weitestgehend auf null gesenkt werden.
Das ABC/AR Programm baut darauf auf, dass Straßenhunde eingefangen werden, zu einer Krankenstation gebracht werden und dann dort geimpft und kastriert werden. Nach einer Genesungsphase werden die Hunde dann wieder dort ausgesetzt, wo sie aufgegriffen wurden.
Dies geschieht einerseits, da die Tierheime von Indien nicht genug Kapazitäten für alle Tiere haben und andererseits, da sich die Hunde meist ein kleines Netzwerk aufgebaut haben. Sie haben ein bestimmtes Revier wo sie die Mülltonnen durchsuchen oder sogar von den Bewohnern gefüttert werden.
Das Programm zielt darüber hinaus noch in eine andere Richtung – es wird Privatpersonen angeboten, ihre Haustiere kostenlos kastrieren und impfen zu lassen, damit sich auch diese nicht ungewollt fortpflanzen können.
Es war nicht sehr leicht für das Blaue Kreuz, Unterstützung bei den zuständigen Behörden zu erhalten. Zu Beginn sträubten diese sich sogar vehement. Erst als das Blaue Kreuz auf eigene Faust und auf eigene Kosten angefangen hat, parallel zu den Tötungen, zu kastrieren und sie nach einiger Zeit Zahlen nachweisen konnten, ließen sich die Verantwortlichen auf eine Kooperation ein.
Bis jetzt konnten in den größeren Städten schon 80% der Hunde das ABC Programm durchlaufen.
In dem Zeitraum der letzten 13 Jahren, in dem das Programm angewendet wurde (allerdings nur in den letzten 5 Jahren wirklich flächendeckend), ging die Zahl der Streuner um 30% zurück und die Zahl der menschlichen Tollwutfälle ging bis auf einzelne Ausnahmen auf null zurück.
Vergleicht man die Standorte mit ABC Programm und ohne lässt sich erkennen, dass in den Standorten ohne ABC Programm die Population und das Auftreten von Tollwut beim Menschen noch weiter angestiegen sind.
Das ABC/AR Programm wirkt in zweierlei Richtungen. Einerseits wird sich die Zahl der streunenden Tiere auf Dauer drastisch verringern, da keine neuen Welpen geboren werden (dies allerdings nur bei konsequenter und dauerhafter Anwendung) und andererseits werden die Menschen vor der Tollwut geschützt und viel Leid kann den Familien erspart werden, da keine Todesfälle mehr durch Tollwut entstehen.
Ganz abgesehen davon, dass den Tieren das Leid des tot geschlagen werdens erspart bleibt. Sie werden durch die Kastration wie normale Geschöpfe behandelt und nicht wie ein Wegwerfprodukt der modernen Welt.
Trotz des Programms gibt es immer noch Menschen die Hunde einfangen und Töten. Auch solche die das Programm durchlaufen haben und gekennzeichnet wurden. Dies ist tragisch, da viel Zeit, Energie und Geld in diese Hunde gesteckt wurden.
Das Fatale dabei ist, dass diese Hunde sich leichter einfangen lassen, da sie erlebt haben, dass Menschen sie auch gut behandeln können. Quelle: blue cross
Was kann dieses Programm nun für Europa bringen?
Viele europäische Länder haben ebenfalls ein Problem mit Straßenhunden (z.B. Spanien, Italien, Griechenland, Ungarn, Rumänien, Polen, etc.)
In fast all diesen Ländern wird, um die Zahl der Straßenhunde einzudämmen, entweder getötet oder man sperrt die eingefangenen Hunde lebenslang in Tierheime, wo sie elendig zugrunde gehen.
Diese beiden Vorgehensweisen, nämlich das Töten und/oder Wegsperren konnten bis heute die Zahl der Straßenhunde in keiner Weise reduzieren, ganz im Gegenteil – es werden mehr.
International anerkannte und erfahrene Wissenschaftler, Tierärzte und Tierschützer mahnen immer wieder an, dass es nur EINEN Weg geben kann, die Population der Straßenhunde zu reduzieren: einfangen- kastrieren – wiederaussetzen der Hunde am Ort des Einfangens. Also ein Vorgehen wie bei dem oben beschriebenen ABC Programm in Indien.
Werden nur einzelne Hunde weggefangen oder getötet, wird das Restrudel die Lücke stets sehr schnell wieder schließen. Auch mathematische Studien zur Populationsdynamik beweisen diese Feststellung.
Deswegen ist es besonders wichtig dieses Programm flächendeckend und über einen längeren Zeitraum hinweg durchzuführen, damit die positiven Effekte durchschlagen können.
Auch in Europa bzw. in den einzelnen Ländern regt sich schon seit einiger Zeit Widerstand. Viele Tierschutzorganisationen sammeln streunende Hunde und Katzen ein. Kastrieren und Impfen diese (wenn nötig werden noch andere medizinische Behandlungen vorgenommen) und versuchen sie dann entweder in Familien oder gut geführte Tierheime zu vermitteln.
In einigen Ländern werden sie, wie in Indien, markiert und dann wieder in ihr Revier gebracht. Doch dies alles kostet Geld und Zeit, was die Tierschutzorganisationen allein nicht leisten können, zumal durch die unkontrollierte Vermehrungen immer mehr Hunde dazu kommen, da die Organisationen nicht die Kapazitäten und das Geld haben, um wirklich flächendeckend zu kastrieren. Hier muss die Politik eingreifen und gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen.
Damit die Verantwortlichen in den speziellen Ländern und auf EU-Ebene überhaupt über das Thema informiert werden hat sich die Arbeitsgemeinschaft „Pfotenhilfe-Europa“ gegründet, die EU-weit mit Tierschutzorganisationen zusammenarbeitet und vor Ort sowie in Straßburg die Politiker informiert.
Denise Anton









