Ein Mal Bari hin und zurück
Herzlich Willkommen an Bord des Air Berlin Fluges von München nach Bari
Ich hätte nie gedacht, dass ich Italien so schnell wiedersehen würde, war die Reise nach Manduria zusammen mit Anke und Roland doch erst 2 Wochen her, und lag immer noch wie ein dicker Kloß in meinem Magen.
Während meines ersten Aufenthalts in Italien haben wir das Canile Manduria besucht und Tommy dort kennengelernt.
Schon auf dem Rückflug nach Hause waren wir uns alle einig, dass wir zusammen mit Luigia und Stefano für Tommy ein schönes Zuhause finden mussten, denn in dem Canile hätte er aufgrund seiner Verletzung nicht lange überlebt.
Das neue Heim für Tommy fand sich innerhalb weniger Tage und so konnte er dank Luigia's hervorragender Vorarbeit schnell aus dem Lager befreit werden.
Heute soll er nun endlich seine große Reise antreten- seine Reise ins Glück.
Um 10 Uhr machte ich mich zusammen mit meinem Freund Chris auf zum Düsseldorfer Flughafen, mit dabei im Kofferraum eine riesige Hundebox, die wir nur mit viel Quetschen und Schieben in unseren doch eigentlich so großen Kofferraum bekommen haben.
Vor meinem Abflug fuhren wir dann noch einmal zur Tierklinik Lesia in Düsseldorf, die uns bei den anstehenden Untersuchungen mit Tommy Unterstützung angeboten haben. Dort wurde noch kurz abgeklärt wann wir in der Nacht mit Tommy ankommen würden, damit alles vorbereitet ist.
Am Flughafen angekommen gaben wir die Box als Sondergepäck auf, begleitet von vielen neugierigen Blicken, die wohl schon jetzt eine 2x2 Meter große Dogge im Innenraum vermuteten. Die Dame am Schalter gab mir meine Bordkarte und meinte nett lächelnd zu mir: "Sie fliegen heute Abend schon wieder zurück? Holen Sie in Italien nur den Hund ab und dann geht's wieder nach Hause"?
"Ja das tue ich" erwiderte ich und verabschiedete mich von meinem Freund, der mich und Tommy abends dann am Kölner Flughafen wieder auflesen würde.
Der Start war reibungslos und über den Wolken hellte der Himmel plötzlich auf und die Sonne schien mir wärmend ins Gesicht. "Wenn das kein gutes Zeichen ist", dachte ich...
Angekommen in München musste ich noch ca. eineinhalb Stunden auf meinen Weiterflug nach Bari warten und nach und nach merkte ich wie die Nervosität stieg.
Noch vor 2 Wochen verliessen wir Italien mit einem unbeschreiblichen Gefühl der Erschütterung und nun kehrte ich zurück, zurück zu den Menschen, die Tag für Tag für das Überleben der Hunde dort kämpfen und über ihre Grenzen hinaus gehen.
Ich wusste auch wie sehr Stefano Tommy schon in sein Herz geschlossen hatte, und ich hatte Angst vor dem Moment in dem sich beide voneinander verabschieden mussten.
Wenn man so hoch über den Wolken schwebt und das ganze Elend dieser Welt unter sich lässt, dann macht man sich umso mehr Gedanken darüber, warum es Tierschutz auf dieser Welt überhaupt geben muss. Warum es Menschen gibt, die Tag für Tag hungern müssen und warum es Tiere gibt, die von uns Menschen gequält und misshandelt werden. Hier oben kommt einem die Welt so friedlich vor....
In Gedanken versunken merkte ich gar nicht wie wir wieder in den Sinkflug gingen und dann war ich auch schon in Bari gelandet.
Kurze Zeit später wartete ich auch schon vor dem Flughafengebäude auf Stefano und zu meiner Freude und Überraschung wollten auch Luigia und ihre Famile und Andrea zum Flughafen kommen um die wenige Zeit, die uns blieb, noch gemeinsam zu verbringen.
Ich erkannte Stefano schon von Weitem und merkte auch direkt wie bedrückt und blass er war. Einige Zeit später trafen Luigia, Luigia's Mann, die Kinder und Andrea ein und wir gingen gemeinsam zu Stefano's Auto, in dem Tommy auf uns wartete.
Der kleine Kerl ist wirklich ein Traum von einem Hund, ein kleiner großer Teddybär, der geduldig im Auto lag und sich streicheln und knuddeln ließ.
Sicherlich wusste er, dass heute etwas anderes passieren sollte, etwas, was sein Leben verändern würde. Aber er liess sich keine Nervosität anmerken.
Die nächsten 3 Stunden verbrachten wir damit Tommy zu bekuscheln. Und wir führten viele Gespräche über die derzeitigen Notfälle in Italien, wie die Stute Luna, die von ihren Besitzern nächste Woche zum Schlachter gebracht werden soll und Gioa, die Stefano einen Tag zuvor vergiftet an ihrem Futterplatz gefunden wurde.
Mich überkam sehr schnell wieder einmal das Gefühl der Hilflosigkeit, das ich noch von unserer ersten Reise nach Italien im Nacken sitzen hatte. Ich kann mit Worten nicht erfassen, wie sehr ich diese Menschen, mit denen ich nun auf dem dunklen Parkplatz des Flughafengebäudes stand, bewunderte.
Wir machten viele Fotos an diesem kalten Abend um die Übergabe und Übernahme von Tommy auch genau dokumentieren zu können, denn leider gibt es in Italien immer wieder Meinungen, dass die Tiere, die von Deutschen oder Österreichern adopiert werden, in Versuchslaboren landen.
Mein Abflug rückte immer näher und damit auch der Zeitpunkt, an dem sich Tommy und Stefano voneinander verabschieden mussten. Stefano weiß, dass Tommy es gut hier in Deutschland haben wird und seine medizinische Situation keine andere Möglichkeit zulässt als dass er in Deutschland in der Tierklinik behandelt werden kann. Aber dennoch war er natürlich sehr besorgt um "seinen Tommy".
Um 20 Uhr machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Check- In Schalter und alle verabschiedeten sich von dem süßen Kuschelbär, dem wir in seiner großen Box ein gemütliches Bettchen gebaut hatten. Es flossen Unmengen von Tränen.
Schliesslich war es auch für mich Zeit zu gehen, denn ich hatte ja das Glück diesen wunderbaren Hund in sein neues Zuhause begleiten zu dürfen.
Einige Zeit später befand ich mich dann auch schon wieder im Flugzeug und folgte meinem eingeübten Ritual, in dem ich die Stewardess sofort fragte ob sie bitte für mich in Erfahrung bringen könne, ob mein Hund auch wirkllich an Bord war. Das habe ich mir seit meiner ersten Flugpatenschaft angewöhnt und konnte dann nach ihrem "Nicken" beruhigt in meinen Sitz sinken.
Der Rückflug war für mich persönlich ein Albtraum. Meine Gedanken waren die ganze Zeit bei Tommy und jedes kleinste Ruckeln des Flugzeuges ließ mich unruhig werden. "Was denkt er jetzt bloß, wie fühlt er sich...?" So fühlte sich die Zeit bis zur Landung natürlich an wie Kaugummi und ich zählte die Minuten bis Tommy und ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatten.
Nach genau 105 Minuten und 33 Sekunden landeten wir dann endlich in Köln und ich beeilte mich zur Gepäckhalle zu kommen, wo Tommy schliesslich nach wenigen Minuten zusammen mit einem Flughafenangestellten auftauchte. Ich beugte mich zu ihm runter, hielt meine Finger durch die Gitter der Box und merkte wie seine warme Zunge an meiner Hand schleckte. Als er schliesslich anfing an meinen Fingern zu knabbern, dachte ich "Was muss der arme Kerl für einen Hunger haben." und beeilte mich das Flughafengelände zu verlassen.
Chris wartete schon auf mich und ich war wirklich froh ihn zu sehen. Wir machten uns zusammen mit "Tommy in the box" auf zum Auto, und konnten ihn dann endlich befreien. Gut gesichert schnupperte er ein wenig auf der Wiese herum und fiel dann über den mitgebrachten Futter- und Wassernapf her.
Nach einer ca. halbstündigen Fahrt, bei der es sich Tommy und ich eng aneinander gekuschelt auf der Rückbank gemütlich gemacht hatten, erreichten wir schliesslich die Lesia Klinik und wir wurden auch schon erwartet.
Tommy wurde von der diensthabenden Ärztin gründlich untersucht, der Verband wurde gewechselt, sein Pass kontrolliert, Fieber gemessen und eine Infusion zur Stärkung seines Kreislaufs gegeben. Alles andere wollte man sich dann in den nächsten Tagen anschauen.
Dann brachten wir ihn eine Etage höher in sein komfortabeles "Einzelzimmer" und er machte es sich nach einer erneuten mittelgroßen Fressattacke gemütlich und schlief bald danach ein.
Wir schlichen uns heraus um ihn nicht wieder aufzuwecken und machten uns dann ca. um halb 2 Uhr nachts auf den Weg nach Hause, glücklich darüber, dass Tommy die Reise ganz gut überstanden hat und man ihm hier in Deutschland nun helfen wird.
Kleiner Tommy, heute, am Mittwoch, nach ein paar Tagen Aufenthalt in der Klinik, bist Du nun in Dein neues Zuhause eingezogen und kannst nun endlich richtig ankommen. Ich wünsche Dir alles Liebe und hoffe Dich bald wieder zu sehen!
Danke Sinja für diese Adoption und danke an die Lesia Klinik für eure, wie immer, unkomplizierte und selbstlose Unterstützung!
Mein Fazit für diesen doch sehr berührenden Tag:
Was kann es Schöneres geben, als an einem tristen und verregneten Sonntagnachmittag als Flugpate einen Hund in sein neues Zuhause begleiten zu dürfen?
Wenn auch Sie die langen Wintertage mit etwas anderem, als einem gemütlichen Couch-Tag, verbringen möchten, oder bereits die nächste Flugreise gebucht haben- dann melden Sie sich doch bitte als Flugpate hier an.
Denn eine Flugpatenschaft kann Leben retten!
Vielen Dank!
Ein Bericht von Julia Plugge












