Besuch in Stettin am 21. August 2009
Die nachfolgenden Stellungnahmen beruhen im Wesentlichen auf Informationen, welche mir während meines Besuches in Stettin von dort ansässigen Tierschützern gegeben wurden. Daneben konnte ich mir vor Ort durch eigenes Beobachten ein Bild der Verhältnisse in Bezug auf den Tierschutz von Hunden und Katzen machen. Entsprechend der Schwerpunkte der örtlichen Niederlassung des Polnischen Tierschutzbundes habe ich meinen Besuchsbericht in drei Themenbereiche unterteilt.
Katzenhilfe
Durch die Initiative der Tierschützer werden jährlich bis zu 1.400 freilebende Katzen in Stettin kastriert / sterilisiert. Die Sterilisationen / Kastrationen werden ganz überwiegend in der durch die Tierschützer unterhaltenen „Tierklinik“ durchgeführt. Die Tierschützer arbeiten dabei sowohl mit städtischen Behörden als auch mit örtlichen Wohnungsbauunternehmen zusammen.
Die Bevölkerung wird in vorbildlicher Weise mit einbezogen. Die Tierschützer stellen den Menschen, welche Futterstellen für freilebende Katzen unterhalten, nach Erfüllung bestimmter Kriterien (Sauberkeit, Kastration, ärztliche Versorgung etc.) Unterkünfte für die Katzen zur Verfügung. So sind in den letzten Jahren vorbildliche „Katzenpopulationen“ in Stettin entstanden.
Gleichzeitig konnte die Zahl der freilebenden Katzen durch die regelmäßig durchgeführten „Kastrations-Aktionen“ erheblich reduziert werden. Ganz sicher hat die (unermüdliche) Arbeit der überwiegend ehrenamtlich tätigen Tierschützer erheblich dazu beigetragen, dass das Leid der freilebenden Katzen erheblich reduziert werden konnte!
Die Arbeit der „Katzenschützer“ in Stettin ist vorbildlich und sollte beispielhaft auf andere polnische (europäische) Städte übertragen werden. Auch im internationalen Vergleich ist die Arbeit wegweisend. Nur sehr selten wird der Katzenschutz so nachhaltig und mit einem so hohen persönlichen Einsatz wie in Stettin umgesetzt!
Hundeschutz
Die Tierschützer in Stettin engagieren sich ebenfalls mit hoher Energie im Hundeschutz. Die Tierschützer gehen „Anzeigen wegen Tierquälerei“ nach, engagieren sich für Kastrationen und unterstützen durch tierärztliche Leistungen. Mangels eines eigenen Tierheims werden die meisten herrenlosen Hunde im städtischen Tierheim beherbergt.
Die Tierschützer haben keinen direkten Einfluss auf die Unterbringung der Hunde oder den Betrieb des Tierheims. Die Tierschützer „übernehmen“ aber regelmäßig Hunde aus dem Tierheim, um diese an neue Besitzer zu vermitteln. Dies hilft, die Zahl der Hunde im Tierheim zu reduzieren und die „Haltungsbedingungen“ damit zu verbessern. Das ist dringend notwendig.
In dem städtischen Tierheim gibt es keine Kettenhaltung. Auch werden nach den mir gegebenen Auskünften keine Hunde wegen „Überalterung“ oder sonst grundlos getötet. Allerdings ist die Unterbringung insgesamt dadurch gekennzeichnet, dass zu viele Hunde in zu kleinen Zwingern gehalten werden. Dies führt unweigerlich zu Kämpfen zwischen den Hunden. Dadurch kommt es zu Verletzungen. Auch die Tötung von Hunden erscheint nicht ausgeschlossen.
Die Zwinger haben keine zusätzlichen Ausläufe. Die Zwinger werden durch „Ausspritzen mit Wasserschläuchen“ gereinigt während die Hunde sich im Zwinger befinden. Die Hunde werden nicht „ausgeführt“. Damit verbringen die Hunde manchmal viele Jahre in einem zu kleinen Zwinger und sind ständig Wind und Wetter, dem Wasserschlauch und den Rivalitäten ausgesetzt. Ganz sicher keine artgerechte Unterbringung.
Hoffnung gibt die Tatsache, dass die Verbleibensdauer der Hunde bereits gesenkt werden konnte. Auch das Engagement der Tierschützer gibt Anlass zur Hoffnung, obwohl diese bisher nicht vollends mit ihren Ideen und Hilfestellungen bis zu der Tierheimleitung vordringen konnten.
Ratsam erscheint hier zur Verbesserung der Lage eine engere Zusammenarbeit des städtischen Tierheims mit der örtlichen Niederlassung des Polnischen Tierschutzbundes mit dem Ziel, die Zahl der Hunde im Tierheim durch Aufklärung und nachhaltige Vermittlung weiter zu senken. Außerdem engagieren sich ca. 100 ehrenamtliche Helfer (Volontäre) für die örtliche Niederlassung des Polnischen Tierschutzbundes, welche in großer Zahl auch für das „Ausführen“ der Hunde bereit stehen. Ganz sicher sind diese Helfer auch bereit, das Tierheim in anderen Belangen (Renovierung / Reinigung / Gartenarbeit etc.) zu unterstützen. Allein die starren Regeln des örtlichen Tierheims verhindern dies heute. Das wird besonders daran deutlich, dass lediglich 5 ehrenamtliche Helfer das Tierheim unterstützen (dürfen).
Festzuhalten bleibt, dass die Hunde im städtischen Stettiner Tierheim nicht grundlos getötet werden und auch nicht an Ketten gehalten werden. Allerdings könnten die Haltungsbedingungen noch deutlich verbessert werden. Dies augenscheinlich auch mit dem bisher zur Verfügung stehendem Budget, welches die Stadt derzeit zur Verfügung stellt. Allein durch die Einbindung von ehrenamtlichen Helfern, die in großer Zahl „bereit stehen“, könnten die eingesetzten Mittel direkter dem Hundeschutz zu Gute kommen. Das wird heute augenscheinlich dadurch verhindert, dass aus Gründen der „Besitzstandswahrung“ die Mitarbeit der ehrenamtlichen Helfer und eine engere Kooperation mit der örtlichen Niederlassung des Polnischen Tierschutzbundes nicht wirklich gewollt werden.
Rahmenbedingungen
Die örtliche Niederlassung des Polnischen Tierschutzbundes versteht es in hervorragender Weise, die Bevölkerung für die Ziele des Tierschutzes einzunehmen (Fütterung von Katzen / Kastrationen / Internet / Tierschutz-Anzeigen / ehrenamtliche Helfer). Gleichzeitig verstehen es die Tierschützer vor Ort auch andere Organisationen (Wohnungsbau-Unternehmen / Hunde- und Katzenpensionen) in den Tierschutz einzubinden. Dadurch konnten auch Finanzierungsquellen für den Tierschutz erschlossen werden. Nicht zuletzt auch durch die (teilweise) kommerziell betriebene Tierklinik können nachhaltig finanzielle Mittel erwirtschaftet werden, welche wiederum für den Tierschutz eingesetzt werden.
Insgesamt kann Stettin auf sehr engagierte Tierschützer zählen, die bereits viel erreicht haben und sicher dazu bereit sind, auch in Zukunft einen großen Teil ihrer Freizeit im Sinne des Tierschutzes einzusetzen. Man muss diese Tierschützer nur gewähren lassen und die vorhandenen finanziellen Mittel im Sinne der Tiere einsetzen.
Dirk Kayser
Pfotenhilfe Europa







