Kroatien
Kroatien wird von den Ländern Slowenien, Ungarn, Serbien, Bosnien und Montenegro geografisch begrenzt. Der überwiegende Teil der knapp 4,5 Millionen Einwohner gehört der römisch-katholischen Kirche an. Die größten Städte sind Zagreb ( ca.780.000 Einwohner ) und Split ( 200.000 Einwohner ). Die langen Küsten und Strände haben Kroatien zu einem der beliebtesten Urlaubsländer werden lassen.
Kroatien und sein Tierschutzgesetz
Im Dezember 2006 wurde das durchaus strenge kroatische Tierschutzgesetz beschlossen, das Sie hier in englischer Sprache nachlesen können.
Die Situation in Kroatien
Im August 2007 wurde von Volker Fritzemeier unter der Schirmherrschaft von Dunja Reiter der Förderverein „Tierschutzprojekt Kroatien e.V.“ gegründet. Dieser Verein hilft den Streunern und Tierheimhunden nicht nur jetzt und heute, sondern versucht, durch aufklärende und politische Tierschutzarbeit die Situation im Land langfristig zu verbessern, was letztlich der einzig sinnvolle Weg ist.
Unter www.tierschutzprojekt-kroatien.com können Sie sich genauer informieren.
Im folgenden geben wir den Bericht zum „Tierschutz in Kroatien“ von Volker Fritzmeier wieder, der die Situation sehr gut beschreibt. Wir danken Herrn Fritzemeier für die Erlaubnis, diesen Bericht von 2009 hier publizieren zu dürfen :
Kroatien ist ein Land, dessen Bewohner zum großen Teil durch die katholische Kirche geprägt sind. Das bedeutet allerdings nicht, dass überall der Tierschutzgedanke verankert ist. Jedoch ist zumindest in den Großstädten die Zuneigung zu Haustieren ausgeprägter als im ländlchen Bereich.
Erschreckend ist oft die „Nutztiereinstellung“ gegenüber Hunden und Katzen besonders von Tierärzten, die im sozialistischen Jugoslawien ausgebildet wurden und heute noch praktizieren. „Tiere, die keinen Gewinn bringen, sind wertlos“ , genau so achtlos und teilweise brutal werden Hunde und Katzen in sogenannten Auffangstationen behandelt. Wobei die Ausbildung der vet.Mediziner in Kroatien einen ausgezeichneten Ruf genießt.
Die administrativen Grundlagen für den Tierschutz in Kroatien ist zum einen das Tierschutzgesetz, das im Dezember 2006 vom Sabor, dem kroatischen Parlament, beschlossen wurde und am 1.Januar 2007 in Kraft getreten ist. Zum anderen die Regelbücher über die Bedingungen, die Tierheime erfüllen müssen und über die Kennzeichnung von Hunden. Das kroatische Tieschutzgesetz ist meiner Meining nach noch besser als das deutsche bis auf den Artikel 57(4), der das Töten von tieren nach 60 Tagen unter bestimmten Vorraussetzungen erlaubt.
Die erwähnten Grundlagen sind umfassend – würden sie strikt befolgt werden, bräuchten wir uns um den Tierschutz in Kroatien keine Sorgen machen. Aber genau hier liegt das Problem. Der Tierschutz ist im Landwirtschaftsministerium angesiedelt. Die Personaldecke ist viel zu dünn, um flächendeckend erfolgreich tätig zu werden. Es gibt keine gefestigten Strukturen, keine Ausbildungseinrichtungen für Tierpfleger.
Tierquälerei wird nicht angezeigt und bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz wird in den wenigsten Fällen durchgegriffen. Die verantwortlichen Administratoren schauen entweder weg oder finden immer wieder neue Ausreden, warum sie nicht zuständig sind. Sanktionen gegen Verstöße, die das Tierschutzgesetz vorsieht, sind kaum durchzusetzen. Auf die Argumente von Tierschützern und deren Hilfsangebote wird kaum geachtet.
„Tierheime“ oder Tiersammelstellen müssen genehmigt werden. Nur sehr wenige haben dieses Zertifikat beantragt. Nur massive öffentliche organisierte Proteste möglichst mit prominenten Personen helfen teilweise die schlimmsten Zustände zu verbessern. Sowie der Druck nachlässt, ist der alte Zustand wieder hergestellt. Im Januar dieses Jahres wurde mit unserer Hilfe ein Dachverband ins Leben gerufen. Dieser ist nun zentraler Ansprechpartner für die Administration und andere Dienststellen. Aber längst nicht alle „Vereine“ und Tierschützer sind diesem Verband angeschlossen. Auch hier müssen die Strukturen erst noch wachsen und sie bewähren.
In Kroatien gibt es neben grauenhaften Anlagen ( Zadar, Zapresic, Osijek ) auch Tierheime, die verantwortungsvoll geführt werden ( Zagreb, Varazdin, Cakovec ) – Orte sind beispielhaft gewählt. Es fehlt bei solchen, die ordentlich mit Tieren umgehen wollen, immer das „know how“. Es wird sich aufopferungsvoll um die Tiere gekümmert und dabei meist die betriebswirtschaftliche und organisatorische Basis vernachlässigt. Auch ist bei Tierheimen mit über 300 Hunden ( was keine Seltenheit ist ) ein ordentliches Management zwingend. Das ist aber bei ehrenamtlich tätigen Tierschützern so gut wie nie vorhanden. Das führt dann oft zu dramatischen Zuständen, weil Kenntnisse fehlen und die Finanzmittel nicht reichen.
Das Tierschutzgesetz schriebt finanzielle Unterstützung durch die zuständigen Gemeinden/Kreise vor, dies wird aber in den wenigsten Fällen konsequent eingehalten, schlimmer noch, das Geld verschwindet in dunklen Taschen zu Lasten der Tiere.
Es fehlen oft auch die kynologischen Fachkenntnisse über Aufzucht, Erziehung, Ernährung etc., um diese dann auch bei der Vermittlung von Tieren an die neuen Besitzer weitergeben zu können.
Dem Landwirtschaftsministerium – Tierschutzdirektorat – sind im Land 6 Veterinärämter mit insgesamt 71 Zweigstellen zugeordnet, in deren Zuständigkeitsbereich Tierschutzinspektoren Kontrollfunktion ausüben. Aber auch diese müssen noch ausgebildet werden, um die nötoge Sicherheit gegenüber Tierquälern und örtlichen Behörden ( Verweigerern ) zu bekommen.
Ein weiteres großes Problem ist, Sanktionen gegenüber Tierquälern zu verhängen und diese auch durchzusetzen. Hier fehlt in der breiten Bevölkerung das Verständnis dafür. Ebenso sind auch die Medien kaum für Tierschutzprobleme zu gewinnen. Eine umfassende hoch professionelle Tiervermittlung über das Internet oder TV Sendungen, wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es in Kroatien nicht. Eine wenige Vereine stellen ihre Tiere zur Vermittlung ins Netz.
Auch ist die Spendenbereitschaft wenig ausgeprägt. Geld wird so gut wie gar nicht gespendet, weil immer befürchtet wird – und das aus gutem Grunde – dass die Spenden missbraucht werden.
Hilfstransporte nach Kroatien haben immer wieder große Schwierigkeiten, die grenze SLO/HR zu passieren. Fast regelmäßig werden diese von kroatischen Zollbeamten abgewiesen und müssen dann die hilfsgüter in Slowenien lassen.
Einige deutsche Vereine und auch einzelne Tierschützer organisieren Tiertransporte ( Hunde und Katzen ) von Kroatien nach Deutschland in unterschiedlicher Form und Professionalität. Das kann mittelfristig aber nicht die Lösung sein.
Es müssen in Kroatien die Vorraussetzungen geschaffen werden, damit die Tiere im eigenen Land vermittelt werden können.
Unsere Ziele :
-Hilfe beim Aufbau einer wirkungsvollen und nachhaltigen Tierschutzstruktur
-Unterstützung des Dachverbandes im administrativen und logistischen Bereich
-Schulung von Tierschutzpersonal
-Organisation von Patenschaften von deutschen zu kroatischen TSV
-Hilfe bei der Entwicklung von Tiervermittlungsaktionen über die Medien
-Hilfestellung bei der Organisation und Verwaltung von Tierheimen
-Vermittlung von Hunden / katzen nach Deutschland/Österreich/Schweiz (kurzfristig)
-Tierschutzverstöße öffentlich machen
-Kontakte zum kroat.Landwirtschaftsministerium halten und weiterentwickeln
Es bedarf großer Geduld und Stehvermögens sowie guter Kenntnisse der kroatischen Mentalität, um diese Ziele zu erreichen.
Volker Fritzemeier, im März 2009
Update Mai 2010
Fortschreibung des Berichts vom März 2009
Die Entwicklung des Tierschutzes in Kroatien in den letzten 14 Monaten kann durchaus positiv bewertet werden, wenngleich noch viele Probleme zu lösen sind. Positiv ist, dass sich immer mehr Tierschützer institutionalisieren d.h. zu Vereinen zusammenschließen und damit auch mehr Gewicht öffentlichen Institutionen gegenüber erlangen.
Die Kontrolle vor Ort wird dichter. Mißstände werden über Presseorgane öffentlich gemacht – auch das ist neu. Viele Vereine pflegen inzwischen enge Kontakte zu Printmedien teilweise artikulieren sie sich sogar auch schon im Fernsehen.
Damit werden breite Bevölkerungschichten erreicht und Verstöße gegen Tierschutz können rascher aufgedeckt werden. Mit anderen Worten, das Bewußtsein zu tierschutzrelevanten Fragen wächst.
Die perönliche Unterstützung von außen von Vertretern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist ein besonders großer Motivationsfaktor. Während meiner letzten Reise durch Nord-Ost-Kroatien habe ich erfahren dürfen wie wichtig persönlicher Kontakt zu den Tierschutzvereinen in Kroatien ist.
Keiner fühlt sich belehrt sondern ist dankbar für jedes Gespräch – was wiederum auch den Besucher motiviert. Es sind inzwischen viele Vereine und Einzelpersonen aus den genannten Ländern in Kroatien tätig, oft mit gutem Erfolg. Einzelne haben es auch geschafft untereinander einen vertrauensvollen Kontakt herzustellen und schwierige Dinge auch gemeinsam anzugehen – es bleibt aber ein Problem, die Kräfte zu bündeln – Mistrauen und Neid sind keine guten Berater.
Betriebswirtschaftliche Kenntnisse wären bei der Unterstützung von Azylen mit einem Bestand von 250 und mehr Hunden sicherlich kein Nachteil. Die Organisation des Azyls in Osijek hat ein neu gegründeter Verein übernommen. Dieser leistet gute Arbeit. Auch Zapresic hat sich nach Personalwechsel gut entwickelt. Zadar ist nach wie vor ein Problem.
Oft sind es die Bürgermeister oder deren Stellvertreter, die die Situation schön reden oftmals ohne die Anlagen jemals selbst gesehen zu haben. Das Landwirtschaftministerium arbeitet nach Kräften und geht offen mit den Vereinen um. Die Aufforderung der Direktorin des Tierschutzdirektorats bei Problemen, mit ihr direkt Kontakt aufzunehmen, ist ein Hilfsangebot, so glaube ich, das außergewöhnlich ist. Leider wird jedoch oft vergessen, dass nur sachliche Argumente Hilfe generieren können.
Die Ausbildung von Tierpflegern wird bereits vorbereitet und soll in einigen Monaten beginnen. Ein Problem ist hier wiederum die knappe Personaldecke. Mit dem Tourismusministerium wird Kontakt gesucht, um es in die Tierschutzarbeit mit einzubinden, weil guter Tierschutz ein zugkräftiges Argument für den Tourismus ist.
Davon soll das Ministerium überzeugt werden. Das Landwirtschaftministerium unternimmt parallel gleiche Bemühungen. Ein großes Problem ist die Tierschutzausbildung von Inspektoren und deren Einsatzgebiet. Im Unterschied zu Deutschland, wo örtliche Tierärzte und Kreisveterinärämter für die Überwachung der Einhaltung der Tierschutzgesetze und Verordnungen verantwortlich sind, sind es in Kroatien sog. Inspektoren die dem Landwirtschaftministerium zugeordnet sind.
Durch ihre lange Tätigkeit im immer gleichen regionalen Bereich ist eine strenge zielgerichtete Kontrolle nicht mehr möglich – zu viel alte Seilschaften. Hier machen dann Tierschutzvereine auf Fehler aufmerksam – solange an den betreffenden Orten solche existieren. Ein weiteres Problem ist immer noch die Finanzierung der Azyle. Oftmals bekommen Tierärzte für eine Auffangstation, deren Aufgabe längst der örtliche Verein übernommen hat, ein Mehrfaches an öffentlichen Geldern im Vergleich zu den betroffenen Vereinen. Das riecht oft nach Geldwäsche.
Hier muss mit Vertragsmustern, die der Verein mit der Gemeinde schließen sollte, geholfen werden und auch mit direkten Gesprächen ausländischer Partner mit den örtlichen Bürgermeistern, weil diese von den zuständigen öffentlichen Stellen ernster genommen werden als die örtlichen Vereine. Die unterstützende Tätigkeit aus dem Ausland hat sich inzwischen in Kroatien herumgesprochen. Problematisch ist auch noch die Transparenz einiger weniger Vereine, die eine erhebliche Anzahl von Hunden nach Österreich und Deutschland vermitteln, ohne die näheren Umstände dieser Tätigkeit offen zu legen.
Das lässt dann oft den Verdacht des Hundehandels aufkommen. Auch hier suchen wir zusammen mit dem Landwirtschaftministerium nach Lösungen. Leider hat sich der Dachverband noch nicht als so schlagkräftig erwiesen, wie wir das bei der Gründung erwartet hatten. Für die Koordinierung und Beratung von Vereinsarbeit ist eine zuverlässige und umfassende Arbeit aber sehr wichtig. Hier wird an zuverlässigen Lösungen gearbeitet.
Obwohl der sog. „Hygienische Dienst“ auch Sinteraj oder Tötungsstation genannt seit Januar 2009 nach dem Tierschutzgesetz und den Regelbüchern für Tierheime und Kennzeichnen von Hunden arbeiten muss, gibt es sie immer noch diese nun illegalen Tötungsstationen. Hunde werden zu vielen in enge Käfige gesperrt, ohne vorgeschriebenen Nachweis weder medizinisch versorgt noch ordentlich ernährt und nach ein paar Tagen meist grausam getötet und entsorgt. Das aufzudecken und zu verhindern ist eine unserer Schwerpunkte zurzeit. Hilfreich ist dabei die Zusammenarbeit mit den Medien.
Immer intensiver wird auch in den Medien die Notwendigkeit der Kastration von Hunden und Katzen behandelt. Hier gilt es alle in ein Boot zu bekommen – Besitzer von Haustieren (!), Tierärztekammer mit den angeschlossenen Tierärzten, alle Vereine. Den Einsatz von durchaus verfügbaren Tierärzten aus dem Ausland verhindert die augenblicklich gültige Gesetzeslage. Mit einer deutschen Handelskette, die auch in Kroatien knapp 100 Filialen hat, konnten wir nach sehr kooperativen Gesprächen eine Vereinbarung über Futterspenden treffen.
Wir wollen jetzt versuchen auch Unternehmen aus Österreich in das gleiche Boot zu ziehen. Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Stellenwert des Tierschutzes in der Bevölkerung Kroatiens wächst, dass sich besonders die Generation dem Thema intensiver widmet, die nicht durch das sozialistische System Titos geprägt wurde - also die Jüngeren oft mit einem akademischen Abschluss. Die Privilegien der älteren Tierärzte werden durchaus noch gepflegt – verringern sich aber in der Anzahl.
Wünschenswert ist auch eine engere Zusammenarbeit sowohl der Vereine untereinander als auch derjenigen, die aus dem Ausland Hilfe leisten. Unsere nahen Ziele sind:
- Weiterhin motivierende Unterstützung durch Besuche von Vereinen
- Initiierung von Vereinsgründungen
- Kastrationsaktionen Hunde und Katzen voranbringen
- Tourismusministerium für den Tierschutz gewinnen
- Grenzübertritt von Sachspenden nach Kroatien erleichtern
- Spenden für dringend notwendige Aktionen einwerben
Stand: Mai 2010
Anmerkung der Pfotenhilfe Europa :
Die Tierschutzarbeit des Vereins „Tierschutzprojekt Kroatien“ ist vorbildlich. Wir bitten Sie daher, die Bemühungen dieses Vereins zu unterstützen. Wenn Sie sich speziell in oder für Kroatien einbringen möchten, können Sie unter der nachfolgend aufgeführten Adresse mit dem Verein Tierschutzprojekt Kroatien e.V. Kontakt aufnehmen :
Tierschutzprojekt Kroatien e.V.
Volker Fritzemeier
Drosselweg 8
15848 Rietz-Neuendorf
Tel.: 033631-5244
Spendenkonto:
Sparkasse Oder-Spree
BLZ 170 550 50
Kto 313 508 7076
Bericht Roland Eichler
Bildmaterial : Volker Fritzemeier
Landkarte : Wikipedia







