PHE startet Projekt "Puglia"
Puglia:
Puglia ist eine italienische Straßenhündin in Apulien und gleichzeitig stellvertretend für all ihre Leidensgenossen Namenspatronin unseres Tierschutzprojektes in Süditalien. Puglia haben wir im Rahmen der Pressekonferenz in Bari in der Nähe von Leporano auf der Straße herumirrend aufgefunden. Mehr als Füttern konnten wir sie nicht.
Puglia ist eine von ca. 1 Million italienischen Straßenhunden. Sie war wohl unerwünscht, nicht mehr gewollt, lästig. Also wurde sie ausgesetzt. Sie versteht das nicht, weiß nicht, was sie denn verbrochen hat, weiß nicht, wohin sie gehen soll und hat schrecklichen Hunger und großen Durst. Sterilisiert und gechippt ist sie nicht und daher ist derjenige, der sie ausgesetzt hat, nicht auffindbar.
Es regnet, sie friert, ihr Bein ist gebrochen und schmerzt, um sie herum schnell fahrende Autos und Lärm, sie fühlt sich einsam und würde so gerne bei ihrer Familie sein.
Das ist ab sofort das traurige „Leben“ von Puglia, ein Leben, das viele Hunde in Italien führen müssen.
Tierschützer tun, was sie können, um zu helfen. Oft bis zur Grenze des Machbaren und darüber hinaus. Aber die Not ist allgegenwärtig und die Kapazitäten der Tierfreunde eben oft schon ausgereizt.
So mussten auch wir Puglia ihrem ungewissen Schicksal überlassen. Wie auch mehrere 3-4 Monate alte Junghunde, die in der Gegend herumirrten, Welpen, die wir in einem Erdloch aufgefunden hatten und zahlreiche andere herumstreuende Hunde, im Müll verzweifelt nach etwas Futter suchend, viele von ihnen krank, verletzt und bis auf die Knochen abgemagert.
Das machte uns alle sehr traurig und wütend. Ansehen zu müssen, dass hier dringend mehr als Futter nötig ist und nichts tun zu können. Aber das ist eben die Situation, in der sich nicht nur Puglia, sondern Zigtausende von Straßenhunden in Italien befinden - in Apulien sind es 150.000...Tendez steigend.
Warum ist das so in Italien?
Über die Situation in Italien hatten wir ja schon berichtet:
Trotz des bestehenden italienischen Tierschutzgesetzes 291/91 werden jedes Jahr mehr als 100.000 Haushunde ausgesetzt, weniger als 10 % der Haustiere werden sterilisiert und gechippt.
In Apulien, einem Streuner-Brennpunkt Italiens, werden jedes Jahr ca. 50.000 Welpen auf der Straße geboren; 35.000 von ihnen sterben durch Verhungern, Vergiftungen oder Unfälle. Die restlichen 15.000 Hunde pflanzen sich naturgemäß fort und wiederholen damit den ständigen Kreislauf aus Hunger, Krankheit und Tod.
Gibt es wenigstens gut geführte Tierheime?
In Italien sperren Hundefänger die Hunde in teilweise barbarische „Tierheime“, aus denen es kein Entrinnen mehr gibt und in denen sie langsam vor sich hin sterben, an Hunger, an Durst, an mangelnder Hygiene, an Enge, an Gleichgültigkeit. Mit einem Tierheim hat das in den allermeisten Fällen nichts, aber auch gar nichts, zu tun.
Diese „Tierheime“ sind meist von Unternehmern oder Privatpersonen geführt, die dann pro Hund und Tag bezahlt werden und damit sehr viel Geld verdienen : Je mehr Hunde, desto mehr Geld. Deshalb sind Adoptionen unerwünscht und diese „Tierheime“ weit ab von bewohntem Gebiet errichtet, um möglichst schlecht erreichbar zu sein.
In vielen "Tierheimen" (Canili genannt) wird der Zugang sogar komplett verwehrt. Hier konnte noch kein einziger Tierschützer nachsehen, was wirklich hinter diesen oft hohen Mauern des Schreckens vor sich geht. Tierheime, in die mehr als 1000 Hunde eingepfercht wurden, sind keine Seltenheit - vor allem in Apulien.
Und bei ca. 4 Euro am Tag pro Hund ergibt das dann 4000 Euro täglich, 120.000 Euro monatlich und damit mehr als 2 Millionen Euro im Jahr. Diese Tierheime (von italienischen Tierschützern oft als LAGER bezeichnet) sind nichts anderes als ein Geschäft - auf Kosten der armen Hunde und ohne jegliches Mitgefühl für deren Bedürfnisse.
Die sehr wenigen guten(!) kommunalen Tierheime leiden dagegen unter chronischem Geldmangel und können nur durch sehr großes persönliches Engagement der italienischen Tierschützer über Wasser gehalten werden.
Die Videos unserer Partnerorganisation CICTO.ORG zeigen Ihnen einen Überblick über die Situation in Apulien:
Was kann man dagegen tun? Wie kann man helfen?
FRÜHJAHR 2010 : DIE GEBURT UNSERES "PROJEKTES PUGLIA"
Da wir uns innerhalb unserer Tierschutztätigkeit ja schon lange auch mit Italien beschäftigt haben, waren wir im Frühjahr 2010, als wir auf unsere Tierschutz-Pressekonferenz nach Bari in Apulien flogen, schon vorgewarnt; die Eindrücke vor Ort waren aber noch viel erschütternder, als Bilder dies jemals zeigen könnten.
Der oben geschilderte Horror wurde nun Realität und wir alle waren zutiefst betroffen.
Keiner von uns konnte seine Tränen zurückhalten und keiner schämte sich dafür.
Schnell wurde uns klar, dass wir hier in Apulien helfen MÜSSEN, dass wir nicht mehr tatenlos zusehen wollen.
Doch diese Hilfe musste "Hand und Fuß" haben und nachhaltige Ziele für die Zukunft beinhalten. Sie musste den Hunden zwar in ihrer akuten Not zugute kommen, aber auch Tierleid in Zukunft verhindern.
Wir diskutierten viel, überlegten, entwickelten Ideen, verwarfen sie wieder, nahmen alte Ideen wieder auf. Zugute kam uns, dass einige Mitglieder der PHU/PHE schon viel Erfahrung mit dem Auslandstierschutz in Ungarn und Rumänien haben und deshalb wertvolle Anregungen geben konnten.
Nun, nach vielen Überlegungen war es dann im Frühjahr 2010 soweit und wir gründeten das PROJEKT PUGLIA.
Dieses Projekt Puglia hatte und hat das Ziel, hier in Apulien ein Tierschutzzentrum namens "OASI NUOVA VITA"(=OASE NEUEN LEBENS) zu errichten, mittels dessen die folgenden Ziele umgesetzt werden sollen :
1) Akuthilfe vor Ort :
Innerhalb des Oasi Nuova Vita soll eine Krankenstation bereitgestellt werden, um kranken und verletzten Straßenhunden schnell helfen zu können. Viele von ihnen sind extrem unterernährt, anämisch, leiden an Hautkrankheiten oder sind übersät mit Zecken und anderen Parasiten.
Auch die vielen Welpen auf den Straßen brauchen Hilfe, weshalb im Oasi Nuova Vita auch eine Welpenstation errichtet werden soll. Immer wieder werden die Hundemütter überfahren, vergiftet, erschlagen oder sterben an körperlicher Entkräftung durch die Mangelernährung. Ihre Welpen bleiben dann unversorgt und sich selbst überlassen zurück. Dies hat in den allermeisten Fällen ihren Tod zur Folge.
Unerwünschte Welpen werden aber auch von Besitzern nicht sterilisierter Hündinnen immer wieder in Mülltüten oder Pappkartons entsorgt, ohne auf die Idee zu kommen, ihre Hündin endlich zu sterilisieren. Diese kleinen Lebewesen sollen in der Oasi Nuova Vita eine Chance zum Leben bekommen.
2) Langfristig angelegter und aufklärender Tierschutz vor Ort :
Eine ausschließliche Vermittlung von Straßenhunden nach Deutschland ändert nichts an der Situation der Straßentiere. Viel wichtiger ist es, die Situation vor Ort langfristig zu verbessern, die Bevölkerung aufzuklären, sie immer wieder zu einem verantwortungsvollen und respektvollen Umgang mit ihren Mitgeschöpfen aufzufordern und die politisch notwendigen Schritte zu gehen, damit das theoretisch vorhandene Tierschutzgesetz auch endlich praktisch umgesetzt wird.
Dies ist letztlich der einzig sinnvolle, aber auch sehr weite Weg, der Jahre braucht, um spürbare Verbesserungen zu bewirken.
Mit der Errichtung des Tierschutzzentrums „Oasi Nuova Vita“ soll erreicht werden, dass die Bevölkerung zu Tierschutzthemen aufgeklärt wird.
-Es sollen Thementage abgehalten und zum Sinn von Chippung und Sterilisationen aufgeklärt werden.
-Schulklassen sollen die Möglichkeit haben, sich über die Tierschutzarbeit zu informieren, um somit der zukünftigen Generation einen anderen Umgang mit den Tieren näher zu bringen.
-Desweiteren sollen Seminare und Kongresse für Tierschützer aus Italien und ganz Europa im „Oasi Nuova Vita“ stattfinden und eine Vernetzung italienischer Tierschutzorganisationen angestrebt werden.
-Eine der wichtigsten Ziele des "Oasi Nuova Vita"ist es, eine konsequente Sterilisationspolitik zu verbreiten und diese auch durchzuführen. Gesunde Straßenhunde sollen im Oasi Nuova Vita sterilisiert und gechippt werden und dann wieder in ihr Rudel zurückgebracht werden. Dies ist der einzig sinnvolle Weg, das Restrudel nicht zu einer stärkeren Geburtenrate anzuregen.
-Auch Gratis-Sterilisationstage für Haushunde sollen mehrmals jährlich angeboten werden.
3) Das Pilotprojekt "Oasi Nuova Vita" :
Jeder, der schon einmal ein typisches italienisches "Canile" besucht hat, war sicherlich geschockt. Denn das, was man hier zu sehen bekommt, hat mit einem Tierheim wenig zu tun. Die Mehrzahl der Canili ist ein einziges Inferno für die eingesperrten Hunde. Italienische Tierschützer bezeichnen solche Canili oft als "Lager".
Das Oasi Nuova Vita soll auch in dieser Hinsicht ein Pilotprojekt werden. Es soll durch seine bauliche und offene Struktur zeigen, wie ein Tierheim beschaffen sein sollte, damit sich die Hunde wohlfühlen, wenn sie schon zeitweise eingesperrt werden müssen : Näheres dazu und die entsprechenden Baupläne sehen Sie hier.
Es soll zeigen, dass solche Einrichtungen tägliche Öffnungszeiten haben sollten, jederzeit eine tierärztliche Versorgung der Hunde gewährleistet werden muss und Adoptionen gezielt gefördert werden sollten.
Der Bevölkerung muss vermittelt werden, dass der Aufenthalt in einem Tierheim nicht als Normalität eingestuft werden darf, sondern nur als vorübergehende Notlösung, bis man eine passende Familie für die Hunde gefunden hat und dies vorzugsweise im eigenen Land.
Das Projekt Puglia wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung , es könnte Signale für ganz Apulien setzen, eine Region, die nicht unberechtigterweise als Hundehölle bezeichnet wird. Und es ist ein Projekt, das auf den langfristigen Erfolg abzielt, das unendliche Leid der Straßen – und Tierheimhunde Apuliens zu reduzieren.
Die Umsetzung des Projektes Puglia:
Um dieses OASI NUOVA VITA verwirklichen zu können, musste wir nun zunächst versuchen, ein geeignetes Grundstück zu finden. Es musste groß genug sein, die Lage musste passen und der Kaufpreis sollte möglichst gering sein, da wir alles nur über Spenden finanzieren können.
Die Suche nach einem passenden Grundstück war schwierig.
Entweder passte die Lage nicht, oder der Preis war utopisch hoch oder es mangelte an der Seriosität des Verkäufers.
Wir wanden uns daraufhin im Herbst 2010 an die italienische Tierschutzorganisation "Associazione Protezione del Cane Gaia Onlus Manduria" in Apulien, deren 1.Vorsitzende Luigia Parco wir auf der Pressekonferenz in Bari kennen - und schätzengelernt hatten und schilderten unser Vorhaben.
Dann die sensationelle Entwicklung : Zu unserer großen Freude stellte Luigia Parco ein bereits im Besitz ihres Vereins befindliches 10.000 qm großes Grundstück zur Verfügung, das nicht nur ausreichend groß war, sondern seitens der Lage ideal zum geplanten Tierschutzzentrum passte !!
Dieses hatte sie erworben, um ein großes parkähnliches Tierheim zu errichten, um für die vielen notleidenden Straßenhunden eine Zufluchtsstätte zu schaffen.

- Luigia
In vielen Gesprächen stellten wir dann fest, dass unsere und Luigia`s Vorstellungen absolut deckungsgleich waren :
Akute Hilfe vor Ort, Maßnahmen des politischen Tierschutzes, Sterilisationspolitik, Aufklärung, Integration von Schulen, Schaffen eines Pilotprojektes etc.
Und so beschlossen wir dann auch, "gemeinsame Sache" zu machen : Luigias Verein würde auf dem vorhanden Grundstück das Tierschutzzentrum "Oasi Nuova Vita" errichten und dabei u.a. auch durch eingehende Spenden an die Pfotenhilfe Europa/Projekt Puglia unterstützt werden.
Luigia Parco war überglücklich über die zu erwartende Hilfe seitens der Pfotenhilfe Europa, denn auch für sie schien nun ein langersehnter Wunsch in Erfüllung zu gehen.
Hier können Sie Luigias Gedanken zum geplanten Oasi Nuova Vita lesen.
Ja, und am 8.Dezember 2010 war es dann endlich soweit : Baustart !! Dank der bis dahin eingegangenen Spenden für das Projekt Puglia konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden !!
Seitdem geht es Schritt für Schritt weiter - bedingt durch die langsame italienische Bürokratie nicht so schnell, wie wir das gerne hätten, aber es geht eben immer weiter. Das Grundstück wurde fast ganz eingezäunt und von Steinen befreit, ein tiefer Brunnen gebohrt, viele Bäume gepflanzt, ein Stromgenerator angeschafft u.s.w.
Über die Baufortschritte berichten wir regelmäßig in unserem Oasi-Tagebuch, wo Sie auch immer aktuelle Bilder und kleine Videos finden.
Dr. Roland Eichler, Leiter Projekt Puglia :
praxis-dr.r.eichler@web.de
Karin Held, Teammitglied Pfotenhilfe Europa :
k.held(phu)pfotenhilfe-europa.eu
Julia Plugge, Teammitglied Pfotenhilfe Europa
j.plugge(phu)pfotenhilfe-europa.eu
Oder in unserer Facebook Gruppe: Projekt "Puglia"
Wir weisen darauf hin, dass Text und Bilder dieses Berichtes dem Copyright unterliegen.
UPDATE!
Das Projekt Puglia mit der Errichtung des "Oasi Nuova Vita"ist umgezogen und wird ab sofort von den folgenden Organisationen weiter betreut:
In der Schweiz: www.sos-strassenhunde.ch
In Deutschland: www.foerderverein-gaia-manduria.eu
Wenn Sie das Projekt weiter unterstützen möchten, wenden Sie sich bitte direkt an diese Adressen.


















