Birgit Lewe in Italien
Wie heißt es so schön?
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen:
Meine Reise nach Bari begann sehr früh morgens, um 2.00 Uhr um genau zu sein, machte ich mich im Pfotenhilfe-Transporter auf den Weg, erstmal nach Berlin.
Auf einem kurzen Zwischenstopp, so gegen 5.00 Uhr, rief die Natur nach ihrem Recht und ich mußte mal für "kleine Tierschützerinnen":
Also Raststätte angefahren, rein ins Gebäude. Da stand vor den Toiletten ein kleines Mädchen, ca. 5 Jahre alt und weinte bitterlich.
Meine, zugegebenermaßen nicht sehr ausgeprägte, mütterliche Seite brach durch und ich fragte sie, was denn los sei.
Sie schluchzte, das sie dringend auf´s Clo müsse, sich aber alleine nicht traute.
Alleine?
Na, egal, erstmal hab ich sie mitgenommen und dabei gefragt, wo denn ihre Mama sei?
Das wußte sie nicht.
Als wir beide fertig waren, nahm ich sie mit zur Servicekraft und fragte die Dame, ob sie wisse, wo die Kleine hingehörte. Das Restaurant war leer!!!
Wir wollten grad die Polizei anrufen, da kam eine völlig aufgelöste Frau reingestürmt. Und es gab ein Happy End.
Ich fuhr fassungslos weiter:
Wie kann man sein Kind vergessen?
In Berlin angekommen, gab es bei Karin, wo auch Rene schon war,noch einen Kaffe, wir haben die Spenden verladen und weiter ging es.
Nächster Stop:
Stuttgart!
Dank einer großzügigen Spenderin und Silvia Greene von Care-4-life e.V. erwarteten uns dort Stefan und eine Tonne Futter.
Wir fingen frohgemut mit dem Verladen an.
1. Palette, 2. Palette, 3. Palette....
Ehrlich gesagt, waren wir froh, als wir alles verladen hatten.
Abschied von Stefan und weiter ging es Richtung Brenner.
Endlose Kilometer lagen vor uns.
Viel Zeit zum Reden und für Gedanken.
Wir waren voller Erwartungen.
Wie würde die Pressekonferenz verlaufen?
Wie würde es bei Stefan sein.
Telefonisch stand ich ständig mit Roland in Kontakt, der von Stuttgart aus am nächsten Morgen losfliegen würde.
Ihm erging es nicht anders.
Bei München fing es an spassig zu werden.
Dickes Schneegestöber....
Wir dachten uns, es muß ja mal aufhören, was es auch irgendwann tat.
Dann erreichten wir den Brenner und rein nach Italien.
Ich war schon öfter in Italien, allerdings nie unter dem Aspekt "Tierschutz":
Meine letzte und südlichste Italienreise führte mich nach Rom.
Die Eindrücke meiner Italienreisen, die letzte vor ca. 15 Jahren, hatten mich die ganzen Jahre über nicht verlassen.
Ich habe dort unzählige Museen, Kirchen, Ausstellungen besucht. Die Opern in Verona sind mir unvergessen.
Allerdings sind sie durch die Bilder und Informationen von dem unendlichen Tierleid in Italien stark verblasst.
Wir fuhren Kilometer um Kilometer und unser "Youngster" fragte als erster nach einem Hotel.
Also suchten wir.
Haben Sie das auch schon erlebt?
Sie fahren an unzähligen Hotels/Motels vorbei und wenn Sie eins suchen, ist plötzlich nix mehr davon zu sehen.
So ging uns es.
Bis wir bei Roverto endlich fündig wurden.
Die Nacht war kurz, da wir sehr früh weiterwollten.
Es lagen noch knapp 800 km vor uns.
Also, schnelles Frühstück und weiter.
Rene bekam blöderweise auf der Fahrt Zahnschmerzen und nutzte jede, für ihn fahrfreie Zeit, um ein Nickerchen zu halten.
Weiter ging es über endlosen Autobahnen.
Nur unterbrochen durch Durchfahrten zahlloser Tunnel.
Vorbei an Verona, vorbei an Rom.
Jeder Kilometer brachte uns näher an Bari heran.
Zwischendurch mal wieder Telefonate mit Roland, der mittlerweile in Bari im Hotel eingetroffen war.
Noch war kein anderer Teilnehmer der Pressekonferenz vor Ort.
Ich hatte den Eindruck, das er sich etwas verloren fühlte, dort so alleine.
Dann kam Neapel.
Zu gerne hätte ich einen Abstecher in die Stadt gemacht, aber das ging natürlich nicht.
Uns blieb nur der Blick von der Autobahn.
Je näher wir Bari kamen, desto mulmiger wurde mir.
Wie erging es wohl Roland?
Karin und ich waren ja stille Betrachter bei dieser Veranstaltung, Roland übernahm das Reden.
Ich hatte mir seinen Apell vor unserer Abreise ausgedruckt und schon unzählige Male gelesen. Und war sehr berührt.
Konnte dieser Apell auch Journalisten berühren?
Dann waren wir in Bari.
Im Berufsverkehr von Bari.
Inmitten Italiener, die nach Hause wollten.
Inmitten eines Landes, in dem Verkehrsregelungen sehr Eigen interpretiert werden.
Mit einer Standtelefon-Leitung zu Roland.
Wir fanden die richtige Strasse.
Hier sollte ein Hotel sein?
Und dann entdeckten wir Roland, der vor der Einfahrt auf uns wartete.
Wir folgten ihm durch die Einfahrt und konnten unseren Augen kaum trauen.
Ein wunderschön angelegter, parkähnlicher Garten inmitten dieses, doch eher sehr ungepflegten und tristen Stadtgebietes.
Und, darüber waren wir sehr glücklich, ein Parkplatz in dieser geschlossenen Anlage.
Es folgte erstmal Einchecken, Zimmer in Beschlag nehmen, etwas frisch machen und Treffen auf der Terrasse.
Zum Espresso, Cappucino,Kaffee.
Bei Sonne und Frühlingsluft, was wir alle nach dem langen Winter sehr angenehm fanden.
So nach und nach trafen alle Teilnehmer ein und jeder versuchte, sich einen kleinen Überblick zu verschaffen, mit wem man in welcher Sprache kommunizieren kann.
Ein gemeinsames Abendessen folgte.
Karin und ich fuhren mit Silvia, einer Italienerin, die sehr viel Vorarbeit für diese Konferenz leistete.
Sie kannte den Weg in das Restaurant nicht genau (ich weiß nicht mal, in welcher Stadt wir waren) und so kamen wir in den unerwarteten Genuss einer Rundfahrt an der Küste.
Wir haben während dieser Fahrt viel geredet, gelacht, laut Musik gehört und, ich denke, Karin ging es ebenso, versucht den Verkehr und Fahrstil zu ignorieren.
Eigentlich war es eine schöne Fahrt, wären da nicht die Bilder von diesem unsäglichen Tierelend im Kopf.
Der Abend verlief mit Vorbereitungen, Gesprächen und die Stimmung war vergleichbar mit dem Betrieb in einem Bienenkorb.
Im Hotel zurück, war ich mit Roland noch für eine Zigarette auf der Terrasse und wir hätten das Ambiente eigentlich gerne genossen.....
Der Morgen der Pressekonferenz brach an.
Ich stand früh auf und ging hinunter um einen Kaffe zu trinken. Und entdeckte Roland, tief in Gedanken versunken, auch schon dort sitzen.
Meine Anspannung war schon enorm, wie mußte es erst Roland gehen?
Gemeinsam versuchten wir dann bei einigen Tassen Kaffee etwas Ruhe und Gelassenheit zu finden.
Am Nachmittag zuvor hatten wir uns schon den "Ort des Geschehens" angesehen und es fällt schwer, sich vorzustellen, das in so einem wunderschönen Gebäude, die Greuel der Canili vorgestellt werden sollten.
Roland machte sich auf den Weg zur Villa und ich folgte kurz danach.
Und dachte, ich fall um vor Schreck, als ich an den Parkplatz kam und unseren Transporter von Carabinieri umringt sah.
Da ich auf italinisch gerade mal einen Cappuccino bestellen kann, kam es mir sinnlos vor, mich auf eine Diskussion mit Carabinieris einzulassen, um herauszufinden, was sie wollen.
Also ging ich zur Villa, traf auf Stefan Weber, der fließend italienisch spricht und bat ihn um Hilfe.
Seine "Beruhigung" beruhigte mich nicht wirklich.
Die Carabinieris waren zum Schutz der Pressekonferenz vor Ort......
Und wirklich, als ich wieder aus der Tür nach draussen trat, sah ich sie um die Villa herum patroullieren.
Ziemlich aufgeregt rief ich Elke an, um ihr das zu erzählen.
Erst in diesem Augenblick wurde mir richtig bewußt, welches Gefahrenpotential in Italien im Tierschutz steckt.
Wir waren gerade dabei, die u.a., kriminellen Machenschaften öffentlichen anzuprangern. Ein System anzuprangern, das Millionen von Euro´s einbringt für eine Handvoll Leute. Ein System, was öffentlich behauptet, das vermittelte Tiere in Deutschland/Schweiz etc. in Laboren enden.
Elke riet mir zu Rescue Tropfen und Grappa und bat mich eindringlichst, das wir gut auf uns aufpassen sollten.
Der Beginn der Pressekonferenz rückte näher.
Wo, um alles in der Welt, steckten Karin und Rene?
Und wo waren die Journalisten?
Karin und Rene kamen, ansonsten blieb es ziemlich leer.
So nach und nach füllte es sich doch.
Journalisten von Zeitungen und vom Fernsehen trafen ein.
Auch andere Tierschützer und eine Beamtin der Stadt, die zuständig für die Strassentiere ist, kamen.
Der inhaltliche Bericht wurde von Dr. Roland Eichler zusammengefasst und ist hier nachzulesen.
Das Video von Cicto wurde gestartet.
Nach einigen Minuten mußte ich den Saal verlassen. Ich hätte schreien können vor Verzweiflung und Wut.
Und ich war nicht die Einzige, die raus mußte.
Kurz nach mir, verließ einer der Journalisten den Saal und lief "Brutal" -murmelnd an mir vorbei und steckte sich eine Zigarrette an.
Es dauerte nicht lange und 2 andere folgten ihm.
Heftig diskutierend rauchten sie eine, bevor sie tief Luft holten und wieder heringingen.
Zögernd folgte ich ihnen und hoffte, das der Film zuende war, was er natürlich nicht war.
Aber die Tiere müssen es 24 Stunden am Tag am eigenen Leibe ertragen, also werd ich wohl den Film ertragen.
Um mich herum liefen viele Tränen und ich sah überall entsetzte Gesichter.
Dann kam Roland dran, er war der letzte Redner.
Sein Apell war sehr emotional vorgetragen, er mußte manchmal schwer schlucken, um weiter reden zu können.
So, wie viele Zuhörer schwer schlucken mußten.
Für seinen Vortrag bekam er spontanen Applaus.
Nach der PK standen noch viele Menschen diskutierend beieinander.
Bei dieser Gelegenheit lernte ich Angela Luongo kennen, von der ich schon soviel gehört hatte.
Der persönliche Eindruck, den ich von ihr gewann, bestätigte das, was mir vorher von ihr bekannt war:
eine sehr mutige Frau mit einem riesengroßen Herzen!
Auch Stefan Dieter war mittlerweile zu uns gestossen und wir konnten uns endlich mal persönlich kennenlernen.
Karin und Rene verabschiedeten sich dann erstmal, sie fuhren mit Stefan nach Leperano und ich wollte am nächsten Morgen mit dem Zug hinterherfahren.. Jedenfalls wollten sie es, aber es gab Probleme mit dem Transporter und ich erhielt von Karin einen Anruf aus der Werkstatt.
Sehr schön nachzulesen in Karin´s Reisebericht.
Der Nachmittag verlief gefüllt mit Gesprächen. Susanne von der Neuburger Tierhilfe e.V. verabschiedete sich und nahm ein Hund mit nach Deutschland.
Und jeder zog sich eine Weile zurück, um den Tag Revue passieren zu lassen.
Abends trafen Roland und ich um gemeinsam zu essen.
Danach warteten wir im Fernsehraum zusammen mit Stefan, Cynthia und Yvonne auf die Nachrichten.
Auf mehreren Sendern wurde von der PK berichtet und, wie wir später erfuhren, wurden in vielen Tageszeitungen darüber berichtet.
Der nächste Morgen verlief mit Packen.
Roland machte sich auf den Weg zum Flughafen, Yvonne und Stefan fuhren noch 200 km südlicher. Dort liegt ein Tierheim, welches sie sich ansehen wollten und ich machte mich auf zum Bahnhof um nach Taranto zu fahren, wo mich Karin, Stefan und Rene abholen wollten.
Kaum raus aus dem Zug sah ich die ersten Hunde.
Karin und ich krabbelten hinten in den Jeep auf die Notsitze, umgeben von Hundefutter und Wasserkanister.
Die Fahrt zu Stefan´s tägliche Fütterroute begann.
Der erste Halt war in einer Seitenstrasse.
Kaum bekamen die Tiere mit, das es Stefan´s Auto war, kamen sie von allen Seiten an.
Allen voran ein älterer Rüde, wunderschön und sehr verschmust.
Und ganz offensichtlich der Erzeuger einer großen Nachkommenschaft!
Ein Wurf Welpen, wenige Tage alt, lagen in einer von Stefan selbsgezimmerten Hütte, die Mutter beäugte uns mißtrauisch.
Wir wollten gerade weiterfahren, da stoppte Stefan ab und stieg aus um zu einem anderen Wagen zu gehen, der gerade ankam.
Wie sich herausstellte, war es ein Freund von Stefan.
Nuncio ist Pensionär.
Er kocht jeden Tag für "seine" Hunde Pasta, weil er kein Geld für Hundefutter hat.
Nuncio erzählte uns auch einiges, über seine Erlebnisse, z.B. über den Hund seiner Tochter.
Sie ging in ein Canile und wollte das Tier haben, welchem es am schlestesten ging.
Als Nuncio uns den Zustand des Tieres schilderte, traten ihm wieder die Tränen in die Augen.
Auch er fährt Tag für Tag eine Strecke ab, um die Hunde dort zu versorgen.
Das er an "Stefan´s" Stelle Stopp machte, lag daran, das er wußte, das Stefan Besuch hatte und Nuncio sicher gehen wollte, das die Hunde gefüttert werden, falls Stefan es nicht schafft.
Wir fuhren weiter.
Mitten auf der Strasse lief ein Hund.
Langsam, gemächlich, müde.
Nie hab ich solch eine Leere in Hundeaugen gesehen.
Das dieser Hund schwer krank war, konnte man schon aus 2 Meter Entfernung sehen.
Wir hielten an. Eigentlich wollte ich versuchen, an dieses Tier heranzukommen und zuzusehen, das es zu einem Arzt kommt....keine Chance. Auch mit Futter ließ sich der Hund nicht anlocken, sondern betrachtete mich nur mit seinen müden, hoffnungslosen Augen, drehte sich um und setzte seinen ziellosen Weg mitten auf der Strasse fort, fast so, als wollte er, das ein Auto ihn überfährt.
Karin und ich saßen immer bedrückter hinten auf den Notsitzen.
Wir hielten an mehreren Stellen, an denen Stefan uns bat, im Auto zu bleiben, weil die Tiere zu scheu sind und nicht kommen, wenn Fremde dabei sind.
Zu Stefan kamen sie. Für jedes Tier hat Stefan ein Streicheln und ein Wort übrig.
An einer Stelle an der wir vorbeikamen, lief eine kleine Mauer an der Strasse lang. Dort war ein Loch drin. Und plötzlich kamen dort 4 kleine, junge Hunde herausgestürmt.
Wie Stefan uns erzählte, war die Mutter weg, vermutlich überfahren.
Die Kleinen, ca. 8-9 Wochen alt, freuten sich unbändig, das da plötzlich jemand war und wuselten aufgeregt um uns herum.
Wir beeilten uns, sie zu füttern. Rene konnte einfach nicht wiederstehen und stieg über die Mauer zu den Kleinen.
Und es nahm kein Ende.
Es wurde auch auf Grundstücken gefüttert.
Dort leben Hunde, dessen Besitzer sich nur für einige Monate im Sommer dort aufhalten.
Familienunrlaub, und damit die Kinder beschäftigt sind, wird mal eben ein Welpe von der Strasse mitgenommen.
Urlaub ist zuende, Koffer werden gepackt, Grundstück wird abgeschlossen. Das im nächsten Sommer ein Kadaver entfernt werden muß, nimmt man dann mal in Kauf.
Oder es gibt einen Besitzer, der aber nicht einsieht, warum er füttern sollte. Wenn dieser Hund stirbt, was macht das schon? Es gibt doch genug.....
Da Stefan mit einer Katze noch einen Tierarzt-Termin hatte, mussten wir die Fütterrunde unterbrechen und kurz zu ihm fahren.
Wir nutzten die Zeit, um das Futter weiter aus dem Transporter zu holen.
Während ich die Pakete aus dem Transporter über den Zaun warf, gingen mir die 4 mutterlosen Kleinen nicht aus dem Kopf.
In diesem Moment rief Roland an. Ich erzählte ihm von unseren bisherigen Erlebnissen und auch von den 4 am Mauerloch.
Er hatte Angela´s Telefonnummer parat und rief sie an.
Wie sich herausstellte, hätte sie den Platz, riet uns aber dringend davon ab, das wir die Mäuse in unserem Vereinstransporter zu ihr bringen, da die Gefahr der Kontrolle besteht. Und das Schicksal der 4 Hunde wäre dann besiegelt gewesen: Canile!
Also war das auch keine Option.
Bei Stefan alles voll. Auch keine Option.
Dann kam Stefan mit der Lösung.
Eine Freundin von ihm hat ein größeres Grundstück, das sie komplett einzäunen möchten und einige Gehege hinsetzen werden.
Ein Gehege steht schon dort.
Stefan wollte zügig mit einem Freund ein Zweites hochziehen und die Kleinen dorthinbringen, damit sie erstmal in Sicherheit sind.
Was er auch tat. Und er schaffte nochmehr, nämlich ein Zuhause für alle 4 zu finden:)).
Stefan kam zurück und wir packten nochmal Futter in den Jeep und weiter ging es.
Diesmal die Küstenstrasse lang.
Auch dort kamen aus allen Ecken Hunde, die Stefan´s Pfiff erkannten.
Ein größerer, grauer Rüde war dort, mit einem engen Halsband.
Er ist ängstlich und läuft weg, sobald man ihn nur ansieht.
Stefan erzählte, das dieser Hund seit einigen Monaten in diesem Rudel lebt.
Wo er herkam????
Wer weiß das schon.
Er hofft, das dieser Hund ihm eines Tages so vertraut, das er es schafft, ihm dieses enge Halsband abzumachen.
"Hoffnung" ist ein wichtiges Wort für Stefan und seine Freunde.
"Hoffnung" ist oft das Einzigste, was bleibt.
"Hoffnung" gibt immer wieder die Kraft, weiterzumachen.
Aber "Hoffnung" alleine reicht einfach nicht aus.
Und wie soll man "Hoffnung" schöpfen, angesichts dieser Zustände?
Wir fuhren in eine Dünenlandschaft.
Dort das nächste Bild von Hoffnungslosigkeit.
Ein Erdloch, voll mit Welpen, die grad angefangen haben zu sehen.
Eines dieser Würmchen war schon weit von seinen Geschwistern entfernt und jammerte herzerweichend.
Ich brachte es zurück in das Loch, obwohl ich alle am liebsten genommen hätte, samt ihrer Mutter, und irgendwo in Sicherheit gebracht hätte.
Aber wo gibt es dort Sicherheit?
Wir beeilten uns, das Futter zu verteilen und wegzugehen, damit die Mutter wieder zu ihren Baby´s gehen konnte.
Sie beobachtete uns aus sicherer Entfernung und als wir wieder im Auto saßen ging sie sofort zu ihren Kleinen.
An die 70 Hunde haben wir gefüttert.
Das macht Stefan jeden Tag.
Im Winter zweimal täglich.
Die Hunde kennen ihn, er kennt seine Hunde.
Wie erträgt er das nur Tag für Tag?
Nicht zu wissen, ob er am nächsten Tag alle wiedersieht.
Die Hunde nicht aufnehmen zu können, obwohl man einigen anmerkt, das sie nichts lieber täten, als ihn zu begleiten.
Am Abend gingen wir in ein Restaurant, begleitet von einem anderen Freund von Stefan.
Auch dieser Freund lebt unter ärmsten Bedingungen, und auch er füttert jeden Tag "seine" Hunde.
Gerne hätte ich den Abend in der schönen Atmosphäre und in freundlicher Begleitung genossen.
Wir hatten angenehme Gespräche, gelacht, gut gegessen.
Aber die gesehenen Tiere weigerten sich, meinen Kopf zu verlassen.
Später saßen Stefan, Karin und ich noch zusammen und machten eine "Grobplanung" für unsere künftige Zusammenarbeit.
Nur hilft das keinem der Tiere, die wir an diesem Tag kennenlernten.
Mit diesen Gedanken versuchte ich dann etwas Schlaf zu finden.
Samstag Morgen:
Die Sonne strahlte, als ich auf die Terrasse trat.
Und wieder war ich von der Landschaft hingerissen. Der Blick auf´s Meer war unbeschreiblich.
Gleich unter mir stand ein vollgefüllter Zitronenbaum, dessen Duft ich tief einatmete.
Ein kleiner Augenblick Wohlfühlen.
Ein kleiner Augenblick Italienzauber.
Tja, nur ein kleiner Augenblick....
Der Transporter war immer noch nicht ganz leer, also legten wir eine Runde "Frühsport" ein.
Stefan kann sein eines Zimmer ein paar Tage nicht nutzen, da wir es vollgestapelt haben.
Traurig machte uns der Gedanke, das es nicht lange reichen wird. In Gedanken waren Karin und ich schon mit der Nachschub-Versorgung beschäftigt.
Dann war er da, der Augenblick des Abschieds.
Es fiel uns allen schwer und gerne wären wir längere Zeit zusammengeblieben. Es gäbe noch soviel zu sagen, zu fragen, zu tun.
Wir machten ein letztes Bild, verabschiedeten uns von Stefan`s Hunden und Katzen und dann von ihm.
Dachten wir zumindest.
Doch als wir den Transporter starteten.....
Also lernten wir erstmal noch eine Werkstatt in Italien kennen.
Auch Freunde von Stefan.
Sie ließen alles stehen und liegen, der ältere Herr versorgte uns mit Espresso und Junior kümmerte sich um den Bordcomputer.
Zu unserem Entsetzen, machten sie uns klar, das der Wagen keine Brems-und Lenkflüssigkeit mehr hatte.
Ich weiß nicht mehr, wie oft dieser Wagen im letzten Jahr in der Werkstatt war, aber das war ja wohl die Krönung!
Elke angerufen, sofortigen Werkstatt-Wechsel beschlossen.
Dann kam er wirklich. Der Augenblick des Abschieds.
Für die Rückfahrt haben wir eine andere Strecke gewählt.
Wir fuhren die Adria Küste entlang.
Trotz der Schönheiten dieses Landes in gedrückter Stimmung.
Die Augen der Hunde verfolgten mich.
Karin und ich setzten die Planungen vom Abend vorher fort.
In Innsbruck übernachteten wir.
Am frühen Abend waren wir in Berlin.
Karin und Rene hatten es geschafft, ich hatte noch knapp 500 km vor mir.
Endlich hatte auch ich es geschafft. Es wurde nicht ganz klar, wessen Begeisterung größer war, die meiner Hunde oder meine, als ich das Haus betrat.
Die "Anlehnschulter" meines Lebensgefährten wurde stark strapaziert an diesem Abend.
Mein Fazit dieser Fahrt:
Gerne würde ich dieses Bild in Erinnerung behalten.
Wunderschöne Landschaften, angenehmes Klima, gastfreundliche Menschen.
Wie in einem Reiseführer.
Italien ist eine kulturelle Hochburg.
Italien ist voll mit gelebter Geschichte.
Italien ist, allgemein gesehen, ein sehr christlich orientiertes Land.
Italien wird von seinen Bewohnern als lebensfroh bezeichnet.
Italien ist landschaftlich ein Traum.
Italien ist voller modebewußter Menschen.
Italien pflegt das "Dolce Vita".
Italien ist ein G8 Land.
Italien ist ein hochrangiges EU-Mitglied.
Italien ist kein rechtsfreier Staat, zumindest auf dem Papier.
Das Italien, das ich auf dieser Reise erlebte, widerspricht dem "offiziellen" Italien doch sehr.
Küstenregionen gleichen Müllkippen.
Auch die Strassen sind voller Unrat.
Ein Teil der Bevölkerung reagiert mit totaler Gleichgültigkeit diesen Mißständen gegenüber.
Andere belächeln Menschen mitleidig, die versuchen, dies zu ändern.
Und noch Andere finden es viel interessanter, was es an neuen Skandalen rund um ihren Präsidenten gibt.
Wie kann es sein, das ein ganzes Land so blind oder hartherzig anderen Lebewesen gegenüber ist ?
Wie kann es sein, das die Justiz so konsequent diese ganzen Tierquälereien auf der Strasse und in den Canili ignoriert?
Wie kann es sein, das Helfende beschimpft, bedroht und teils massiv verletzt werden.
Es gibt mir Hoffnung, wenn ich an die Menschen denke, die ich in Bari und Leperano kennenlernen konnte, aber das Bild, das ich von Italien habe, hat resignierte, traurige Augen, einen schleppenden Gang, ist namenlos und läuft vielleicht immer noch ziellos mitten auf der Strasse:
Bericht und Bilder
Birgit Lewe























































