Karin Held in Italien
Reisebericht über die Fahrt nach Bari und Apulien 02.03.2010 bis 09.03.2010
Anläßlich der Pressekonferenz in Bari am 04.03.2010 gegen die Betreiber der Hundehöllen ( Canilen ) in Italien, machten sich am 02.03.10 auf den Weg :Birgit Lewe, Karin Held und unser kurzentschlossener “Junior” Rene.
Los ging es ca. 8.00 in Berlin,
nachdem die zwischenzeitlich gesammelten Sachspenden für Stefano, unseren Tierschützer in Südapulien, eingeladen worden sind.
Birgit hatte allerdings schon einen 4 stündigen Fahrtweg hinter sich.
Wir beiden anderen waren dafür müde.
Nachdem wir unsere Beine verknotet hatten, starteten wir mit sehr mulmigen Gefühlen nach Italien.
Reisezeit 2 Tage nach Bari mit Umweg und Zwischenstopp im Stuttgarter Raum, wo riesige Mengen an Kartons mit Futterspenden für unsere Tierschützer in Italien eingeladen worden sind.
Zum Glück hatten wir bis dahin schönes Wetter.
Und: endlich die Möglichkeit, unsere eingesteiften Beine zu bewegen!
Danach düsten wir ohne weiteren grösseren Zwischenstopp bis in die Nacht hinein gen Italien.
Unser “Junior” machte als Erster schlapp und es begann die verzweifelte Suche nach einem Hotel.
Endlich gefunden,war nur noch
eins angesagt : ins Bett fallen und schlafen.
Früh morgens ging es dann gleich weiter und wir erreichten Bari natürlich am späten Nachmittag mitten im Berufsverkehr.
Der italienische Fahrstil ist, gelinde ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig.
Und wir mit dem Pfotenhilfe-Bus mitten drin....
Dank kontinuierlichem Handy-Kontakt mit Roland bogen wir dann endlich auf den Parkplatz des Hotels in Bari ein.
Roland winkend, wir froh, uns umarmend, endlich gelandet in einer wunderschönen, schier verzauberten Hotelanlage, mitten in Bari.
Unglaublich!
Am Vormittag des 04.03.2010 fand die Pressekonferenz statt
( der Bericht hierzu von Roland ist bereits veröffentlicht ), an der auch Stefano aus Apulien mit teilnahm.
Mit einem dicken Kloss im Hals und schlimmen Vorahnungen ging es nach der PK für Rene´und mich ab nach Apulien zu Stefano.
Zum Glück fuhr er voran, natürlich wieder im Berufsverkehr und wir hinterher. Aber nicht lange. Dann machte der Bus schlapp. Es ging nichts mehr.
Zum Glück war Stefano mit dabei, der perfekt italienisch spricht. In der Nähe befand sich eine Wekstatt und Stefano managte für uns den Abtransport. Also, mitten auf der Ausfallstraße in Bari im Berufsverkehr den Bus auf die andere Straßenseite und ab in die Werkstatt.
Keiner wußte, was los war und ob wir weiter fahren könnten. Zum Glück wurde das Teil besorgt, eingebaut und nach vielen freundlichen Umarmungen und Dankesworten konnten wir dann 2 Stunden später fast tiefgefroren weiter fahren.
Weiter fahren ist eigentlich falsch, weiterfliegen wäre der richtige Ausdruck. Abends im Dunkeln kamen wir dann endlich bei Stefano an.
Schneller Pizza-Imbiss in dem kleinen Ort, an dessen Rand Stefano wohnt.
Dort sahen wir dann die ersten Strassenhunde.Wie gewohnt, Blicke rechts und links nach einem Besitzer, aber, Mist, wir waren ja in Italien.
Was wird uns weiterhin erwarten?
Am nächsten Tag erst einmal im Hellen Stefanos eigene Hunde beknudddelt. Alles ehemalige Strassenhunde, aufgelesen als Welpen, krank oder weil das Rudel plötzlich “verschwunden” war.
Stefano lebt in kleinstem Raum unter ärmlichen Verhältnissen.
Das wenige Geld, das reinkommt, geht sofort für die Hunde und Katzen drauf, die eigenen sowie die freilebenden auf den diversen Futterstellen.
Stefano hat ein grosses Gehege gebaut, in dem sich 5 seiner eigenen Hunde befinden. 2 Hunde sind freilaufend. Desweiteren verpflegt er auf seinem Grundstück diverse Katzen.
Heute ist die grosse Futtertour angesagt.
Also erst einmal diverse Wasserflaschen, Hundefutterdosen und Trockenfutter eingeladen. Schon die erste Anlaufstelle brachte uns die erste Begegnung mit der “Tierliebe” der Italiener.
Ganz in der Nähe seines Hauses hat Stefano eine Katze auf einem umzäunten Grundstück befüttert.
Während dessen hielt ein Wagen, ein Mann stieg aus und attakierte Stefano verbal, wie er dazu käme, Katzenfutter auf das Grundstück zu kippen.
Es handelte sich hierbei nicht um den Eigentümer, sondern einen “lieben” Menschen, dem die Befütterungsaktion gar nicht gefiel. Zum Glück bleib es bei der verbalen Auseinandersetzung. Stefanos Kommentar hierzu: das ist hier völlig normal, dass man angemacht wird, wenn man befüttert”.
Am Bahnhof haben wir dann die nächsten Strassenhunde gesehen, die vor den dortigen Geschäften um Futter bettelten.
Danach ging es raus ins Umland. Bei manchen Futterstellen konnten wir mit aussteigen, bei manchen mussten wir “Fremden”
im Auto bleiben, da die Hunde zu scheu und ängstlich waren, als dass sie beim Anblick fremder Personen an das ausgelegte Futter gegangen wären.
Stefanos Auto und ihn selbst haben sie erkannt und sich genähert.
Von überall tauchten sie vorsichtig auf. Kleine, grosse, jüngere, ältere.
Es wurden Hundefutterdosen geöffnet und das Futter entweder auf dem Boden
oder auf kleinen Plastiktellern ausgelegt. Trockenfutter obendrauf und Wasser drüber gegossen. Die Futtermengen richteten sich nach der Anzahl der dort konkret lebenden Tiere.
Einige der weniger Scheuen konnten wir streicheln.
Wir sahen Mütter mit Welpen unterschiedlichen Alters an den Strassenränden, im Feld, im Wald, am Strand...
Am Strassenrand in einem kleinen, nicht vollständig niedrig ummauerten Gartengrundstück befütterten wir 4 Welpen von ca. 8-9 Wochen.
Sie waren so zutraulich, dass wir sie streicheln und auf den Arm nehmen konnten.
Einige liefen durch das Loch in der niedrigen Mauer auf die Strasse. Wie lange werden sie überleben? Wann werden sie überfahren, geschlagen, vertrieben oder von den Hundefängern mitgenommen und in ein Canile verbracht?
Der Kloss im Hals wurde bei uns immer grösser, die Stimmung immer bedrückter, je mehr Futterstellen wir anfuhren, je mehr wir sahen, je mehr uns Stefano erzählte. Mir kamen so oft die Tränen. Unschuldige Hundeseelen, ohne jegliche Zuwendung, ohne Hoffnung. Die Augen.
Bei 2 angefahrenen Futterstellen befanden sich die Hunde in einem umzäunten Grundstück. Stefano klärte uns auf, dass viele Italiener nur für 2-3 Monate auf den Grundstücken verweilen und den Rest des Jahres wieder verschwinden. Die Hunde bleiben ohne Nahrung und Wasser auf dem Grundstück. Zum Tode verurteilt. Es sei denn, es finden sich Tierschützer, die sie mit dem Nötigsten versorgen.
Aber nicht alle Grundstücke sind einsehbar.
Über die anderen Todeskandidaten mag ich nicht nachdenken. Wenn sie Glück haben, werden sie auf die Strasse geschmissen...
In einem weiteren Grundstück befütterten wir einen Hund,
dessen Besitzer zwar vor Ort lebt, aber seinen Hund nicht versorgt.
Wir trafen aber auch andere liebe Tierschützer, die die Streuner befüttert haben. Meist sind es arme Menschen, die sich das Wenige, was sie haben, vom Mund absparen, um die Tiere zu versorgen.
Nach Beendigung der Futterrunde wurden die Spenden aus dem Bus entladen und bei Stefano eingelagert.
Dieser verteilt einen Teil davon an seine armen Tierschutzfreunde, damit diese ihre Hunde befüttern können.
Jeder der Tierschutzfreunde läuft Gefahr, attakiert zu werden, verbal, tätlich. Mit fadenscheinigen Argumenten, wie Verunreinigung durch Auslagen des Futters. Mehr als ein Hohn, da die Landschaft in Apulien zwar sehr schön ist, aber die Strände, Wälder etc. völlig vermüllt und verdreckt sind.
Am Samstag Morgen wurde der Rest der Futterspenden entladen und wir traten mit schwerem Herzen und niedergedrückt die Heimfahrt an.
Heisst, wir wollten, aber der Bus streikte zunächst erst einmal wieder und wir mussten erneut
in die Werkstatt. Noch einmal Glück gehabt und wir konnten dann nach 2 Stunden endgültig die Heimreise antreten.
In Österreich erwischte uns abends ein heftiger Schneeregen. Also wieder einmal spät Abends ein Hotel suchen und am nächsten Morgen weiter.
Zum Glück ohne Schneeregen. Abends trrafen wir dann völlig erschöpft in Berlin ein. Für Birgit war die Heimreise jedoch noch nicht beendet. Die Arme hatte noch 4 Stunden Fahrt vor sich.
Das Erlebte in Italien wird mir ewig in Erinnerung bleiben.
Es hat sich in meine Seele eingebrannt.
Es ist schlimm genug, wenn man Bilder, Berichte, Videos über die schlimmen Zustände sieht, liest.
Aber die Realität ist wesentlich schlimmer.
Selbst in diese Hundeaugen zu sehen. Die Sehnsucht nach Liebe und Fürsorge, die Hoffnungslosigkeit, die Resignation life zu spüren, zu sehen.
Hochachtung an all die Menschen, die derartige Strecken und Erlebnisse auf sich nehmen, um Tiere zu retten. Aber, was ist der eigene Stress im Angesicht all dieser Leiden?
Also, jetzt erst recht!
Bilder und Bericht
Karin Held


















