Hilfe für Hunde in Elefsina
Zivilcourage zweier Lehrerinnen
"Im November 2009 unternahmen wir einen Städtetrip nach Athen. Für den Rückflug stellten wir uns als Flugpaten zur Verfügung. Insgesamt vier griechische Tierschützer nahmen unsere Hilfe schließlich in Anspruch. Darunter auch Ria (über einen Tierschutzverein in Deutschland).
Am Sonntag Morgen sollte unser Rückflug gehen. Am Freitag Abend rief eine völlig verzweifelte Ria bei uns an. Ihr Tierarzt habe einen Fehler begangen und nun seien alle EU- Heimtierausweise ungültig. Sie wisse nun nicht, wie sie an neue Pässe kommen solle. Bereits für diese nunmehr ungültigen Ausweise habe sie 160 km fahren müssen, weil in ihrer Heimatstadt die Vermittlung der Hunde nach Deutschland abgelehnt würde.
Dort glaube man, dass die Hunde in Deutschland im Kochtopf oder im Labor landeten oder zu Pelzen verarbeitet würden. Überhaupt lasse man besser einen Hund in Griechenland sterben als ihn auf ein Nazi-Sofa zu vermitteln.
Auch die Tierärztin vor Ort sei bereits so unter Druck gesetzt worden, dass sie Rias Tiere zwar noch behandle, aber keine Pässe mehr ausstelle. Da wir durch unsere Flugpatenschaften Kontakte zu anderen Tierschutzvereinen in Athen hatten, boten wir Ria an, am nächsten Tag zu ihr nach Elefsina zu kommen, um ihr zu helfen, neue Pässe zu organisieren. So lernten wir die Schwestern Ria und Sofia Pantali und ihre Mutter kennen.
Ria und Sofia lebten bis zu ihrem 15. bzw. 14. Lebensjahr mit ihren griechischen Eltern in Berlin. Heute sind beide als Gymnasial-Lehrerinnen in Elefsina tätig. Beide sprechen fließend deutsch.
Neben dem Job opfern sie ihr gesamtes Leben dem Tierschutz.
Sie haben Kontakte zu deutschen Tierschutzvereinen aufgebaut, über die sie Strassenhunde in deutsche Familien vermitteln. Am Anfang war es ein großes Problem, dass sie diejenigen Hunde, die eine Familie und Flugpaten gefunden hatten, zum Zeitpunkt des Abflugs oftmals auf der Strasse nicht mehr finden konnten. Deshalb haben sie den Bürgermeister gebeten, ihnen einen Platz zur Verfügung zu stellen.
Nach langen Verhandlungen konnten sie auf einer Brachfläche zwischen der Athener Stadtautobahn und dem Militärflughafen Elefsina ein Gehege errichten. Da sie dies alles aus ihren eigenen privaten Mitteln finanzieren, genügt das Gehege nur einfachsten Bedürfnissen: auf blankem Lehm sind mit Maschendraht kleinere Gehege abgeteilt.
Einige wenige Hundehütten bieten Schutz vor Hitze, Kälte und Regen. Aber Sofia und eine Freundin besuchen das Gehege jeden Tag, säubern es, vorsorgen die Hunde mit Futter und Wasser und gewähren ihnen Auslauf, damit sie nicht aggressiv werden.
Mittlerweile ist das Gehege stattbekannt, deswegen werden ständig neue Welpen über den Zaun geworfen. Ria und Sofia können dieser Welpenflut kaum noch Herr werden. So kommt es häufig vor, dass sie zwar mehrere Welpen nach Deutschland ausfliegen können, aber bei ihrer Rückkehr vom Flughafen zuhause einen neuen Wurf Welpen vorfinden, die man wie Müll vor ihrer Haustür entsorgt hat.
Die Gehege werden immer voller, was u.a. auch zu Aggressionen unter den Hunden führt. Aber Ria und Sofia können und wollen die Welpen nicht wieder auf die Straße setzen, auch wenn es nicht nur an Platz in den Gehegen fehlt, sondern auch die finanziellen Mittel für Futter und tierärztliche Betreuung zur Neige gehen und diese Situation die Belastbarkeit aller Beteiligten auf eine harte Probe stellt.
Sie nehmen sie die Welpen also auf, pflegen sie gesund, lassen sie auf eigene Kosten impfen und chippen und versuchen mit aller Kraft, ihnen eine bessere Zukunft in Deutschland zu ermöglichen.
Sie nutzen deshalb nun ein zweites Gehege an einem anderen Standort, das ihnen vorübergehend von der Gemeinde Elefsina zur verfügung gestellt wurde. Dort, in einem Gewerbegebiet, errichtete die Gemeinde Elefsina vor einigen Jahren mit offiziellen Tierschutzfördergeldern ein Gehege , das auch eine Schutzhütte umfasst.
Eigentlich sollte daraus ein Tierheim werden, doch wurde das Tierheim niemals fertig gestellt. Der Bürgermeister möchte an diesem Standort nunmehr angeblich einen Kinderspielplatz errichten und das Gehege deshalb beseitigen.
Ria und Sofia brachten zwar einige Hunde in diesem unfertigen Gehege unter, doch wurden in der Folgezeit immer wieder Giftköder über den Zaun geworfen, an denen immer wieder Hunde qualvoll verendeten. Jeden Tag haben die Schwestern nun Angst, zum Gehege zu kommen und die verbliebenen Hunde tot vorzufinden.
Sie zögern deshalb, weitere Hunde in diesem Gehege unter zu bringen, doch wird ihnen unter den gegebenen Umständen wahrscheinlich nichts anderes übrig bleiben...
Kranke, auch verunfallte Hunde bringen sie in der Wohnung der Familie unter. Wer die Einstellung der Griechen zu Straßenhunden kennt, wird wissen, dass dies zu schweren Konflikten mit den Nachbarn führt: Bereits zwei Mal haben sie ihre Wohnung verloren, weil die Nachbarn die Hundehaltung, insbesondere aber die Betreuung kranker Straßenhunde in der Wohnung, ablehnten.
Sie müssen daher bei der Unterbringung von weiteren Hunden sehr vorsichtig sein. Ihre Sorge um die kranken, gequälten und verlassenen Hunde lässt sie aber jede Vorsicht in den Wind schlagen, wenn wieder ein überfahrener Hund sterbend auf der Straße liegt und Hilfe benötigt.
Als wir Ria und ihre Familie besuchten, waren neben ihren drei eigenen Hunden zwei weitere Hunde in der Wohnung - ein Welpe mit einem Nabelbruch und eine schwer kranke Hündin, die dem Tod näher war als dem Leben. Sie war, so hatte ein Augenzeuge Ria erzählt, absichtlich angefahren und mit ihren schweren Verletzungen liegen gelassen worden, auf dass sie eine qualvollen Tod erleide. Zwei Tage hatte sich niemand um sie gekümmert. Dann rief jemand Ria und sie konnte sie gerade noch rechtzeitig zum Tierarzt bringen und operieren lassen.
Auch die Autos von Ria und Sofia werden als Unterbringungsmöglichkeit für kranke Hunde genutzt. An dem Abend, an dem wir mit Ria unterwegs waren, schlief ein Hund in Rias Auto, dem am Vortag der Schwanz amputiert werden musste, weil ein anderer Hund ihn verletzt hatte. Es mag etwas sonderbar anmuten, dass man ein Auto als Krankenstation für verletzte Tiere benutzt, doch war unter den gegebenen Umständen leider keine bessere und sicherere Unterbringungsmöglichkeit zu finden.
Ein Tierschützer in Griechenland muss improvisieren und auch ungewöhnliche Wege gehen!
Wie man sich vorstellen kann, ist auch Geld ein großes Problem. Ria und Sofia versorgen nicht nur die Hunde in den Gehegen, sondern lassen auch Straßenhunde und –katzen aus ihrem Umfeld kastrieren und ärztlich versorgen.
Auch Besitzern von Kettenhunden bieten sie an, diese auf ihre eigenen Kosten kastrieren zu lassen. Oft genug wird aber selbst dieses Angebot von den Eigentümern abgelehnt, weil sie nicht in den Lauf der Natur eingreifen möchten. Die so produzierten Welpen landen dann auf der Straße, werden dort überfahren oder sterben an Hunger und Durst.
Neben der ärztlichen Versorgung füttern Ria und Sofia auch alle ihnen bekannten Straßenhunde und –katzen.
Das alles geht an die psychischen, körperlichen und finanziellen Grenzen von Ria und Sofia... Wir bewundern die beiden wirklich sehr. Sie leisten eine Sisyphos-Arbeit : Morgens bringen sie drei Welpen zum Flughafen und wenn sie zurückkommen, hat man ihnen acht neue Welpen über den Zaun geworfen.
Und sie wissen, dass das alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Solange sich die Einstellung in Griechenland gegenüber Straßenhunden nicht ändert, können sie nur einzelnen Hunden helfen, der Großteil bleibt aber ohne Hilfe.
Und für all ihre Anstrengung werden sie von ihrem Umfeld nicht bewundert, im Gegenteil lehnt man sie ab, macht sie zu Außenseitern und und unterstellt ihnen gar, sich mit dem „Hundehandel“ zu bereichern.
Hinzu kommt all das Leid und Elend der Straßentiere und Kettenhunde, das sie täglich sehen, gegen das sie aber machtlos sind. Machtlos, weil der Einzelne nur einzelne Tiere retten kann, nicht aber die sozialen Grundtendenzen einer Gesellschaft zu verändern vermag, die die nachgerade kollektive Gewalttätigkeit gegen Tiere befördern: So ist es keine Seltenheit, dass Kinder auf dem Schulhof Katzen anzünden. Weist Ria die Kinder dann zurecht, bekommt sie Ärger mit den Eltern: Es handele sich doch nur um eine Katze.
Ria wird mitunter auch von Hundebesitzern gerufen, die bereits mehrere Versuche hinter sich haben, ihren eigenen Hund zu vergiften. Ria kenne sich doch mit Hunden aus, ob sie nicht zu einer sicheren Methode der Vergiftung raten könne. Und man sollte sich an dieser Stelle nicht der Illusion hingeben, es handele sich bei diesen Hundebesitzern um Angehörige der Unterschicht.
Vielmehr wurden diese Ansinnen von akakdemisch gebildeten Zeitgenossen in gehobenen Positionen an Ria herangetragen...
Gerade leben zwei Junghunde in der Nähe ihrer Schule. Ein sehr verspielter schwarzer Rüde namens Bolle und eine eher ruhige braune Hündin namens Lucy mit weißen Abzeichen. Einige Kinder spielen mit den Hunden, andere aber misshandeln sie. Gerade der schwarze Rüde wird aufgrund seiner Fellfarbe und seiner Zutraulichkeit oft von den Kindern gequält.
Die Schulleitung erwägt nun bereits die Vergiftung der beiden Hunde, weil sie stören... Und Ria hat keinen Platz, die beiden Hunde aufzunehmen oder sie auf die Schnelle auf einer Pflegestelle unter zu bringen.
Was sich nach einer Grenzsituation anhört, ist der Alltag einer engagierten Tierschützerin, die nicht wegschauen und die Tiere ihrem Schicksal überlassen will und sich deshalb auch mit ihren Vorgesetzten anlegt. Nur ihre bedingungslose Liebe zu den Tieren und ihre wahrhaft humanistische Gesinnung lassen Ria und Sofia durchhalten und nicht vor der Übermacht des Elends kapitulieren.
Und es sind gerade Menschen wie Ria und Sofia, die - obschon von der griechischen Gesellschaft wegen ihres Engagements für die Straßentiere ausgegrenzt- Griechenland zur Ehre gereichen und jede Form der Unterstützung verdienen.
So würden wir uns sehr freuen, wenn man den beiden Schwestern finanziell, durch Futterspenden und durch die Vermittlung von Hunden helfen könnte.
Auch über eine moralische Unterstützung von Ria und Sofia durch positiven Zuspruch freuen wir uns, denn gerade positive Aufmerksamkeit ist es, die ihnen ihr griechisches Umfeld nicht zuteil werden lässt."
Bericht von Claudia Nassibulin
Wenn Sie den beiden Tierschützerinnen helfen möchten:
Name der Bank : Ethiki Trapeza Ellados
Kontoinhaber : Eleftheria Pantali
IBAN : GR 24 0110 1990 0000 19951401108
BIC : ETHNGRAA
Wenn Sie in Kontakt treten möchten :
Mailadresse : riapantali@yahoo.gr










